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Foto: Johannes Büttner
Friedhelm Vollmer - hier mit einem Foto seines Onkels Anton Spenner - hat sich auf Spurensuche begeben.
Büren

Neffe spürt das Grab seines Onkels nach fast 80 Jahren auf: Das wurde aus Anton Spenner

Samstag, 28. November 2020 von Johannes Büttner

Anton Spenner war gerade 20 Jahre alt, als sein Leben in Russland ein Ende fand. Am 12. September 1941 starb er in der Nähe der russischen Stadt Schabero an einen Schuss in den Rücken. Ein Foto, ein letzter Brief an seine Schwester, sein Name an der Ehrentafel in Weine und Erinnerungen von noch lebenden Zeitzeugen waren bisher das einzige, was von dem Jungen aus Weine geblieben ist. Das hat sich jetzt geändert: Friedhelm Vollmer hat sich auf die Suche nach Spuren seines Onkels gemacht- und er ist fündig geworden. 

Der 64-jährige Steinhäuser ist ein Neffe von Anton Spenner. Seine Mutter stammt auch aus Weine; sie war die Schwester von Anton Spenner. Insgesamt hatten die Spenners sechs Kinder. Vater Wilhelm sorgte mit seiner kleinen Schuhmacherwerkstatt für das Überleben der Familie.

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„Es gab viele Familientreffen, aber über den Anton wurde wenig gesprochen, er kam irgendwie in den Erzählungen nicht vor“, erinnert sich Friedhelm Vollmer noch gut an die Familienzusammenkünfte. Nur hin und wieder, so wie etwa 1985, als der erste Band des Weiner Heimatbuchs erschien, wurde auch an Anton Spenner als einer der  Weiner Kriegsopfer gedacht. 

Erste Nachrichten nach sechs Monaten

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Für Friedhelm Vollmer war der vergessene Onkel Anlass, umfangreiche Recherchen aufzunehmen. Er suchte Kontakte zu Personen aus dem Umfeld von Anton Vollmer, stöberte im Internet, schrieb das Bundesarchiv in Berlin an und bat die Deutscher Kriegsgräberfürsorge und das DRK um Mithilfe. „Ich war richtig aufgeregt, als nach etwa einem halben Jahr die ersten Nachrichten eintrafen“, erinnert sich Friedhelm Vollmer. 

So schrieb ihm das Bundesarchiv, dass Anton Spenner in den Unterlagen letztmalig am 23. März 1941 als Angehöriger des 8. Batterie–Regiments 253 geführt wurde. Gestorben sei Anton Vollmer am 12. September 1941 in Schabero bei Smolensk. Seine Grabstätte sei lokalisiert worden. 

Weitere Informationen kamen dann vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge. Von ihm erfuhr Vollmer, dass Anton Spenner zunächst in Dudino/Andreopol beigesetzt wurde, vermutlich aber in die Kriegsgräberstätte Rshew umgebettet worden sei. Diese wurde von 1999 bis 2006 vom Volksbund in der Nähe der Stadt Rshew östlich von Smolensk angelegt. 

2.100 Kilometer bis zur Grabstelle

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„Die Stadt Gütersloh hat eine Patenschaft mit Rshew und pflegt diese durch gegenseitige Besuche“, weiß Friedhelm Vollmer. Was wiederum für ihn die Chance bietet, bei einem der Austauschbesuche mit auf die 2.100 Kilometer lange Reise zu gehen und dabei auch das Grab seines Onkels zu besuchen.

Als Friedhelm Vollmer seine Nachforschungen schon als beendet angesehen hatte, kamen vor einer Woche nochmals neue Nachrichten. „In dem Schreiben aus Berlin wurde mir mitgeteilt, dass es sogar noch eine Personalakte meines Onkel gibt. Darin steht, dass Anton Vollmer am 12.September 1941 in Schabero durch einen Schuss in den Rücken gefallen ist. Auch die genaue Lage seiner ersten Grabstätte ist anhand von Koordinaten in der Akte vermerkt. Am 7. November 1942 wurden dem Vater Wilhelm Spenner  eine Karte mit der Grabstelle und ein Ehrenbrief zugesandt.“

Dank der Recherchen seines Neffen und der umfangreichen Unterstützung  der Behörden und Institutionen konnte das Schicksal des Anton Vollmer, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, endlich aufgeklärt werden.

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