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Foto: Shutterstock (Symbolfoto)
So könnte die Mobilität der Zukunft aussehen.
Thema der Woche

Mobilität der Zukunft: Was es in der Region bereits gibt und was kommt.

Montag, 13. September 2021 von Franz Purucker

Entscheidende Aufgabe der neuen Bundesregierung wird der Umstieg auf klimafreundliche Mobilität. Forderungen nach mehr Nahverkehr und Radwegen sind in Großstädten einfach, aber wie ist es im NR-Land und was gibt es sogar bereits? Die Neue Regionale schaut nicht nur in die Programme der Parteien, sondern zeigt auch, wie der Ist-Stand ist und welche Herausforderungen auf die Region in Sachen Mobilitätswende zukommen.

Um vom Geseker Bahnhof zur Aatalklinik nach Bad Wünnenberg zu fahren, sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln eineinhalb Stunden Fahrzeit, zwei bis drei Umstiege und ein Ticket für 7,40 Euro nötig.

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Für meisten Menschen ist das keine Alternative zum eigenen Auto, wo die Fahrt nur etwa eine halbe Stunde dauert.
So lässt sich wohl auch erklären, das 59 Prozent aller Verkehre im Kreis Soest und sogar 65,3 Prozent im Kreis Paderborn nur mit dem eigenen Pkw stattfinden. Die Kfz-Dichte liegt über dem Landes- und Bundesschnitt. Wie lässt sich das ändern?

Wie steigen Bürger auf Bus und Bahn um?

Eine erste Stellschraube könnte der Preis sein: Viele Kommunen wollen für Fahrten zwischen der Kernstadt und den Ortsteilen ein 1-Euro-Ticket einführen, wofür der Nahverkehr Paderborn-Höxter (NPH) aktuell eine Machbarkreisstudie in Auftrag gegeben hat.

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Die Stadt Salzkotten hat für ein solches Ticket bereits seit Jahren einen Haushaltsposten von 25.000 Euro vorgesehen. Die Grünen haben inzwischen vorgeschlagen, als Übergangslösung den Ticketpreis über 1 Euro auf Antrag zu erstatten (die NR berichtete).

Nahverkehrsexperten halten wenig von solchen punktuellen Rabatten und plädieren zu günstigen Monatstickets, wie dem 365-Euro-Ticket in Wien, weil sich Fahrgäste so langfristig binden lassen.

In erster Linie muss aber ein entsprechendes Angebot bereitstehen, um Fahrgäste zu überzeugen.
Eine Möglichkeit, so etwas kostengünstig umzusetzen, sind Bürgerbusse. Diese kommen unter anderem in Lichtenau zum Einsatz, wo die Ortsteile Herbram, Holtheim und Ebbinghausen mit ehrenamtlichen Fahrern angebunden werden.
Langfristig soll dort ein Elektrofahrzeug zum Einsatz kommen, allerdings fehlt für die lange Linienstrecke noch ein entsprechendes Kleinbusangebot der Fahrzeughersteller.

Um den Nahverkehr günstiger zu machen, wird in Lichtenau auf einen Bürgerbus gesetzt, deren Fahrer Ehrenamtliche sind. Foto: Stadt Lichtenau

Die Nahverkehrsnutzung scheitert aber oft auch an banaleren Dingen wie der mangelnden Verknüpfung von Verkehrsmitteln: „Wenn ich von Paderborn nach Salzkotten mit dem Bus fahren will, steht dieser gar nicht an der Infotafel am Busbahnhof“, kritisiert Marc Svenson, der sich in Salzkotten auch in der Lokalpolitik engagiert.
Die Lösung könnten Mobilstationen sein, die es zum Teil schon gibt, aber zumindest in der Planung sind.
Salzkotten plant eine solche direkt am Bahnhof. Dafür hat die Stadt das 120 Jahre alte Bahnmeisterhaus gekauft und will es in ein Fahrradparkhaus umbauen.

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Streit gibt es noch darüber, ob auch eine Werkstatt im Gebäude entstehen soll. Was die Mobilstation sonst zu bieten haben wird, ist völlig offen. An dem Konzept wird laut Verwaltung noch gearbeitet. Nachgebohrt hatte zuletzt die SPD. Vermutlich wird zunächst das neue Mobilitätskonzept auf den Weg gebracht.

Mobilstationen mit Carsharing

Auch der NPH plant Mobilstationen im Kreisgebiet und hat neben Salzkotten auch Büren und Bad Wünnenberg im Blick, wo Fahrradgaragen, E-Bike-Sharing und Ladestationen für E-Bikes und E-Autos geplant sind.
Im Kreis Soest ist bereits ein Konzept erstellt worden, dass Mobilstationen am Bahnhof Geseke, in Störmede und in Ehringhausen vorsieht.

In der Kernstadt sollen laut Gutachter drei bis fünf Carsharingfahrzeuge, fünf Leihräder und zwei bis drei Pedelecs stehen. Eine Radabstellanlage gibt es dort bereits. Soweit zumindest die Theorie: „Für die Umsetzung sind die Kommunen verantwortlich“, so Gunnar Wolters, zuständig für den Nahverkehrsplan im Kreis Soest: Aktuell geht es darum, Fördermittel zu beantragen und kleinere Arbeiten fertigzustellen. Dazu zählen zum Beispiel große Anzeige, die auf Mobilitätsangebote hinweisen. Denkbar sind langfristig auch Ladestationen für Elektroautos, wo Pendler am Bahnhof ihre Autos aufladen.

Zwei Beispiele für funktionierendes Carsharing: Einmal aus Etteln und einmal aus Störmede.

Ein Knackpunkt dürfte das Carsharing werden: „Kein Anbieter wird dies im ländlichen Raum wirtschaftlich betreiben können“, so Gunnar Wolters weiter: Denkbar wären Ankermieter, die Fahrzeuge für eine feste Zahl an Stunden buchen und somit eine Finanzierung des Angebotes ermöglichen.

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Umgesetzt wird dies bereits in Lichtenau, wo die Stadtwerke ihre elektrischen Dienstfahrzeuge zum Ausleihen anbieten. Auch in einer Stadt des NR-Landes gibt es bereits Carsharing.

Welches Carsharing-Angebot es bereits gibt, wer als Fahrradverleih-Firma in Frage kommt, wie sich der Busverkehr in der Region weiterentwickeln wird und was der Stand bei der Almetalbahn ist, lesen Sie im „Thema der Woche“ auf der zweiten Seite.

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