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Foto: Shutterstock (Fotomontage)
Ein Huhn im heimischen Garten wird immer beliebter, besonders seit Beginn der Corona-Pandemie. Diese Tiere sind durch ihre Freilandhaltung besonders anfällig für Vogelgrippe.
Thema der Woche

Landwirte fürchten weitere Fälle der Geflügelpest

Montag, 14. Februar 2022 von Franz Purucker

Der raue Herbsttag im November vergangenen Jahres wird Geflügelzüchter Richard Schulte noch lange in Erinnerung bleiben. Nachdem ein Mitarbeiter drei tote Hühner im Stall gefunden hatte, führte ein Tierarzt Schnelltests durch. Am Telefon dann die Diagnose: Es ist die Vogelgrippe.


„Es war für mich ein Schlag in die Magengrube. Ich brauchte einen Moment, um das zu verarbeiten.“ Wenn er heute davon spricht, hat er Tränen in den Augen.

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Der Betrieb mit 155.000 Tieren in Delbrück-Westenholz ist schon zum wiederholten Male von der Vogelgrippe betroffen. Die Tiere werden im Stall vergast und anschließend mit großen Lkws abgeholt. Die Ställe müssen danach desinfiziert werden.

Zwar erstattet die Tierseuchenkasse den Zeitwert der Tiere, die Erlöse fehlen trotzdem.
Auch auf die Region wirkt sich H5N1, so der Fachbegriff, aus. Nur einige Kilometer weiter müssen die Legehennen von Stefan Heber in Salzkotten im Stall bleiben. Die Tiere des biologisch geführten Betriebes sind eigentlich mehrere Stunden Auslauf pro Tag gewöhnt. „Unsere Tiere bekommen Beschäftigungsmaterial.“ Auch für den Betriebsleiter geht bei solchen Nachrichten die Angst um, selbst Opfer der Vogelgrippe zu werden.

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Die Bauern in der Region sind verzweifelt: Die Tierseuche wird von Wildvögeln verbreitet und tritt deshalb auf, wenn die Tiere im Spätherbst in den Osten fliegen und einmal im Frühjahr, wenn sie zurückkommen. „Diese Zeit steht uns noch bevor“, blickt Marlies Bölling vom Veterinäramt des Kreises Paderborn wenig optimistisch in die kommenden Wochen.

Für das Veterinäramt waren Kontaktnachverfolgung und Pandemiemaßnahmen schon vor Corona kein Fremdwort: Sie müssen haarklein ermitteln, wo welches Tier hinverkauft wurde. Die Inkubationszeit – also die Zeit, wo die Tiere ansteckend sind, aber selbst keine Symptome zeigen, ist mit 14 Tagen länger als bei Corona.

Richard Schulte vertreibt vor allem Legehennen. Ein Teil wird vor Raiffeisenmärkten und an Marktständen verkauft. „Wir fahren bis in die neuen Bundesländer“, so Schulte.

Corona hat der Branche einen regelrechten Boom verliehen: In immer mehr privaten Gärten gackert jetzt ein Huhn. „Die meisten bekommen Namen und werden quasi fester Teil der Familie“, so Schulte. Auch die Hobbyhalter sind von den Schutzmaßnahmen wie der Aufstallungspflicht betroffen. (puru)

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Warum sich die Tierseuche nicht eindämmen lässt, was die Landwirte aus der Region verlangen und warum Land und EU dies nicht wollen, lesen Sie im Thema der Woche auf der nächsten Seite.

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