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Der Salzkottener Landwirt Heinrich Baumhögger auf seinem Traktor. Aktuell läuft der Verkauf seiner Kartoffeln gut. Gerade bei den Lieferungen für die Industrie, droht im nächsten Jahr aber ein Einbruch des Geschäfts.Foto: Franz Purucker
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Der Salzkottener Landwirt Heinrich Baumhögger auf seinem Traktor. Aktuell läuft der Verkauf seiner Kartoffeln gut. Gerade bei den Lieferungen für die Industrie, droht im nächsten Jahr aber ein Einbruch des Geschäfts.
Thema der Woche

Landwirte beklagen trotz guter Ernte nur schlechte Erträge: Schuld ist nicht nur Corona

Donnerstag, 12. November 2020 von Franz Purucker

Die Trecker tuckern übers Feld und in den Ställen ist Hochbetrieb – von Corona-Flaute bei den Landwirten also keine Spur? Nicht ganz! Denn auch die Landwirtschaft leidet unter der Corona-Pandemie und einer Krankheit aus dem Tierreich, die noch verheerendere Folgen haben könnte.

Noch läuft das Geschäft für den Salzkottener Landwirt Heinrich Baumhögger gut. Etwa die Hälfte seiner Kartoffelernte landen in den heimischen Supermärkten, den anderen Teil holen große Lastzüge für die Pommes-produktion ab. Die Verträge und damit auch der Preis wurden im Februar ausgehandelt – also vor Ausbruch der Corona-Pandemie.

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Heute sähe die Situation wohl anders aus. Die ausfallenden Volksfeste und monatelange Schließungen bei Restaurants haben den Pommeskonsum nach unten gedrückt. Noch ist der 54-Jährige optimistisch für die Verhandlungen im Frühjahr. Rechnen muss er aber wohl mit weniger Absatz und eventuell auch geringeren Preisen.

Viele seiner Kollegen litten unter der Trockenheit, erklärt Rainer Meyer, stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Bezirksverbandes Ostwestfalen-Lippe: „Einige Betriebe im Kreis Paderborn haben die Gerste gar nicht mehr gedroschen.“ Die Pflanze konnte nur als Tierfutter verfüttert oder in der Biogasanlage verwendet werden. 

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Aber auch hier gibt es viele regionale Unterschiede, die auch Heinrich Baumhögger bemerkt hat: „Unten in der Stadt fiel zeitweise so viel Regen, dass große Pfützen auf den Straßen entstanden sind und bei uns kam kein Tropfen herunter.“ Seine Ernte bezeichnet er als „durchschnittlich gut“.

Direkt zu spüren bekommen die Krise alle diejenigen, die ihr Geld mit dem Verkauf von Tieren verdienen. Einerseits leiden diese Betriebe noch stärker unter den Folgen der Pandemie, da durch geschlossene Restaurants und Volksfeste weniger Fleisch abgenommen wurde. „Die typische Manta-Platte zum Schützenfest ist dieses Jahr quasi komplett ausgefallen“, nennt Heinrich Baumhögger ein Beispiel.

Noch viel schwerer im Magen liegen Haltern wie Richard Herbst aus Bad Wünnenberg die neuen Stallanforderungen. Sein Betrieb im Ortsteil Fürstenberg zieht Ferkel auf und muss den Platz pro Tier nun beinahe verdoppeln.

Gleichzeitig sind die Erlöse für die Tiere aber im Sinkflug. Auch hier spielt Corona eine große Rolle: Als der Tönnies-Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück wegen des Corona-Ausbruchs schloss, blieben viele Betriebe auf ihren Schweinen sitzen. „Die Tiere wurden vielerorts geschoben“, so bezeichnet es der 61-Jährige. Nur die große Tiere werden verkauft, die kleinen bleiben im Stall, wachsen aber eben auch weiter und brauchen immer mehr Platz.

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Tönnies Corona-Test bei Mitarbeitern
Corona-Test bei Tönnies im Kreis Gütersloh: Der Ausbruch sorgte für ein Stopp des Schlachtbetrieb, der sich wiederum auf die Landwirte auswirkte. Foto: Tönnies

Richard Herbst hat zwei Ferkelabnehmer, die beide an den Tönnies-Konkurrenten Westfleisch liefern. Auch hier wurden die Schlachtkapazitäten leicht verringert, aber bei weitem nicht so stark wie bei Tönnies. Probleme hatte er entsprechend keine Aber: Der Marktpreis ist trotzdem extrem gefallen. Vor der Tönnies-Pandemie wurde 200 Euro pro Schwein bezahlt, in der Krise 150 Euro und nun nur noch 125 Euro. „Die Schweinehalter zahlen aktuell drauf“, sagt Herbst.

Warum die Erträge vor allem für Schweinefleisch so massiv fallen und vor welchem Ereignis, dass nicht mit Corona zu tun hat, die Landwirte besonders große Angst haben, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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