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Foto: Pxhere
Vor allem alkoholkranke Menschen halten dem Druck aktuell nicht stand und reden sich ein, wieder kleine Mengen Alkohol trinken zu können. Ein fataler Fehler. Die Krise verstärkt aber bei gesunden Mensch den Drang, zu viel Alkohol zu trinken.
Thema der Woche

Kontaktbeschränkung sorgen für mehr Alkoholkonsum und für Rückfälle bei Alkoholikern

Sonntag, 13. Dezember 2020 von Franz Purucker

Stressige Situationen, mit denen sich der Griff zum Alkohol begründen lässt, gibt es aktuell reichlich: das Beiseitestehen beim Home Schooling, der stressige Berufsalltag im Home Office oder die Angst vor dem Corona-Virus. Andere suchen im Alkohol Trost, weil sie von Jobverlust oder Einsamkeit betroffen sind.

Gerade jetzt sollten Menschen aber besser auf zu viel Alkohol verzichten. Denn dieser wirkt oft anders als erwartet und kann schnell zur Sucht werden.

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„Abends nach der Arbeit, wenn ich wieder runter kommen muss, fahre ich heimlich zur Tanke und hole mir meinen Jägermeister“, sagt Hartmut aus Bad Wünnenberg, der anonym bleiben möchte. Das Problem: Er ist Alkoholiker und war eigentlich trocken.

Ihm fehlen die Treffen der Anonymen Alkoholiker (AA), die es unter anderem in Paderborn und Lippstadt regelmäßig gibt – und zwar zwanglos und anonym.

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Selbsthilfegruppen wie diese sind in der aktuellen Corona-Schutzverordnung zwar vom Kontaktverbot ausgenommen, aber Betroffene haben es zur Zeit schwerer, ihre Meetings zu besuchen, weil die Räumlichkeiten wegen des Lockdowns nicht genutzt werden dürfen oder die Teilnehmerzahlen beschränkt sind. Auch die vorherige Anmeldepflicht schreckt viele ab.

Als Ersatz dienen Telefonmeetings, die zu Beginn der Pandemie initiiert wurden und alternativ zu den bestehenden Präsenzmeetings stattfinden.
Wer das Infotelefon (Nummer auf Seite 10) der anonymen Alkoholiker in der Region wählt, hat momentan Michael am Telefon, der selbst alkoholkrank ist, durch „das Gesaufe“, wie er es nennt, seinen Führerschein verlor, zeitweise im Gefängnis saß und mehrfach zum Entzug war.

Inzwischen ist er viele Jahre trocken. „Was den Betroffenen am meisten fehlt, ist ihr gewohnter Alltag. Soziale Kontakte brechen weg, private Treffen, Freizeitveranstaltungen oder Vereinsaktivitäten dürfen nicht stattfinden. Das verleitet, gepaart mit Stress und Angst, zum Trinken“, so seine Erfahrungen.

Seine Lebensgefährtin Elisabeth aus Geseke hat 30 Jahre lang heinmlich getrunken; am Ende ihres Berufslebens verstärkte sich ihre Sucht. „Die Beziehung gescheitert, die Kinder zogen aus – ich wurde einsam und trank immer mehr“, sagt sie. Durch Corona sind viele Menschen in einer ähnlichen Lage: Wegen Kurzarbeit sind sie zu Hause und wegen Corona allein.

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Warum das Problem in ländlichen Regionen besonders groß ist, wo Betroffene Hilfe bekommen und ab wann Alkoholkonsum gefährliche Ausmaße annimmt, lesen Sie in unserem „Thema der Woche“ auf der nächsten Seite.

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