arrow_back
Klärschlamm auf einer Hand
Foto: aarelauf.ch/Wikipedia
Klärschlamm wird für die Kommunen zum Problem
Thema der Woche

Wohin mit dem Klärschlamm?

Sonntag, 6. Oktober 2019 von Franz Purucker

Mit den größten Mengen an Klärschlamm hat die Stadt Delbrück zu kämpfen, die jährlich 2.500 bis 3.000 Tonnen davon entsorgen muss. Im Haushalt sind dafür 140.000 Euro für die Klärschlammentsorgung eingeplant. Bereits seit mehr als 20 Jahren wird der Klärschlamm verbrannt. Dazu gibt es einen Vertrag mit der IAA Ingenieurgesellschaft für Abfall und Abwasser aus Kalletal, die jedoch mit Kapazitätsengpässen kämpft. Zeitweise türmte sich deshalb in der Vergangenheit der Klärschlamm im Klärwerk. 

Drei NR-Städte geben Klärschlamm an die Landwirtschaft

Das Problem: Die Kupferkonzentration des Klärschlamms aus Delbrück ist zu hoch für eine landwirtschaftliche Nutzung.

Anzeige

In Geseke ist das anders. Dort wird rund die Hälfte der 8.000 bis 9.000 Kubikmeter Nassschlamm an die Landwirtschaft abgegeben, der Rest wird zu einer Monoverbrennungsanlage ins Ruhrgebiet transportiert. Insgesamt sind für die Entsorgung für das laufenden Jahr 225.000 Euro eingeplant.

Auch Bad Wünnenberg kann zumindest einen Teil seiner Klärschlämme auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ausbringen. Da das Klärwerk der Stadt für weniger als 50.000 Einwohner konzipiert ist, könnte die Stadt auch über das Jahr 2032 die landwirtschaftliche Verwertung nutzen – jedoch gelingt das wegen der neuen Düngeverordnung wohl eher schlecht.

Anzeige
Die Muellverbrennungsanlage in Bielefeld
Die Muellverbrennungsanlage in Bielefeld. Foto: Stadtwerke Bielefeld

Politisch wird auch hier die Verbrennung diskutiert. Aus einer Vorlage des Betriebsausschusses am 11. Oktober geht hervor, dass durch die künftige Verbrennung der Schmutzwasserpreis um 0,20 Euro je 1.000 Liter steigen könnte. Aktuell liegt dieser bei 3,80 Euro je 1.000 Liter Schmutzwasser.

Die Stadt hat ein weiteres Problem: Die städtischen Kläranlagen können den Klärschlamm nicht entwässern, sodass kurzfristig der Bau einer Entwässerungsanlage mit Lagerstätte notwendig sein wird.

Auch Büren verwertet seinen kompletten Klärschlamm aktuell in der Landwirtschaft. Die Stadt kostet das jedes Jahr 320.000 Euro, was letztlich auf die Abwassergebühren umgelegt wird.

Die Stadt Salzkotten plant aktuell 160.000 Euro jährlich für die Klärschlammverwertung ein und steht vor einem Problem: Der Vertrag mit dem aktuellen Entsorger, der Firma Halfmann aus Salzkotten, läuft Ende des Jahres aus. Danach muss die Stadt wohl auf ein Kontingent des Kreises in der Müllverbrennungsanlage Bielefeld zurückgreifen.

Anzeige

Mögliche Option wäre auch eine Entsorgung über die Westfalen-Weser-Energie (WWE), die bereits ab 2020 eine Entsorgungsmöglichkeit anbieten will und dafür sogar eine Kostendeckelung auf  100 Euro pro Tonne garantiert. Der Vertrag soll über eine Dauer von 25 Jahren abgeschlossen werden. Vorteil: Die WWE gehört 54 Kommunen in OWL, darunter auch den Städten des NR-Landes, die von den Gewinnen des Unternehmens profitieren würden. Aber: Wo die Verbrennung stattfindet ist völlig offen.

Parallel dazu sind mehr als 80 Städte der Region, darunter alle Kommunen des NR-Landes, der Klärschlammkooperation OWL beigetreten, die nach einer langfristigen Lösung sucht. Hier spielt jedoch nicht nur der Preis eine Rolle, sondern auch die Ökologie. So soll die Klärschlammverbrennung und die ab 2032 vorgeschriebene Phosphorgewinnung möglichst ohne große Transportwege und umweltverträglich organisiert werden. Auch hier wäre die WWE ein möglicher Partner.

Naheliegendste Lösung wäre aber ein Ausbau der Müllverbrennungsanlage Bielefeld, die Dank eines besonderen Filtersystems eine hohe Ökologie gewährleistet und durch die räumliche Nähe kurze Transportwege gewährleisten könnte.

Vorherige Seite
AGB Impressum Datenschutz Kontakt
close
In die Zwischenablage Instagram Whatsapp E-Mail