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Schlechteste Option: Wegen Personalmangel wird die Kita komplett geschlossen. Noch gehören solche Fälle zu Einzelfällen. Aber selbst Notgruppen und eingeschränkte Öffnungszeiten können für berufstätige Eltern problematisch werden.
NR-Land

Kitas schließen wegen Erziehermangel

Donnerstag, 2. Juni 2022 von Franz Purucker

Schließt die Kita wegen Personalmangel eine Gruppe komplett oder schränkt die Öffnungszeiten ein, heißt das für die Eltern: Überstunden oder Urlaub nehmen. Eine bezahlte Freistellung sieht der Gesetzgeber nur vor, wenn das eigene Kind erkrankt ist oder die Kita wegen eines Corona-Falls appelliert, das Kind nicht in die Einrichtung zu bringen. 

Obwohl der Betreuungsumfang nicht gewährleistet wird, müssen Eltern die vollen Kita-Gebühren zahlen – im Kreis Paderborn bis zu 646 Euro Monat, von der der Kreis auch nicht abrücken will: „In Bezug auf den Elternbeitrag ist eindeutig festgelegt, dass diese Pflicht durch Schließungen oder vorübergehende Einschränkungen im Betreuungsbetrieb nicht gemindert oder gar aufgehoben wird, da die laufenden Kosten für den Betrieb (Personal- und Sachkosten) der Kindertagesstätten und der Kindertagespflege weiterhin in vollem Umfang anfallen und gefördert werden“, so die Kreispressesprecherin Leah Laven auf NR-Anfrage. Das heißt: Trotz möglicher Ausfälle bei Lohn und Gehalt müssen Eltern die vollen Gebühren weiterzahlen.

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Gesetzlich festgelegt ist, dass Kita-Träger übergeordnete Stellen informieren müssen, wenn Engpässe beim Personal gibt – konkret das Landesjugendamt. Dort will man sich zu konkreten Zahlen aber nicht äußern: „Einschränkung der Öffnungszeiten oder gar Schließung der Einrichtungen werden nicht statistisch erfasst“, so LWL-Pressesprecher Markus Fischer, der jedoch betont, dass dies auch die letzten Mittel wären. Das Landesjugendamt berate die Träger zunächst, um Schließungen zu verhindern, beispielsweise durch „den vorübergehenden Einsatz von Eltern (mit Führungszeugnis) oder die Kooperation mit anderen Kindertageseinrichtungen“, so Fischer.

Erzieher-Ausbildung wird nun vergütet

Wie groß das Problem wirklich ist, bleibt also nur zu erahnen. Verdi wird da etwas konkreter: „Nach unserem Wissen ist aktuell keine Kita voll besetzt“, so Verdi-Funktionär Ismail Cebe.

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Einen wichtigen Schritt, um den Erziehermangel in den Griff zu bekommen, ist das Land NRW mit der sogenannten praxisintegrierten Ausbildung – kurz PIA – gegangen. Die Auszubildenden absolvieren drei Jahre lang jeweils mindestens 20 Wochenstunden in der Einrichtung und weitere 20 in der Berufsschule.

Bisher war die Erzieherausbildung oft eine nicht-vergütete rein schulische Ausbildung, für die höchstens Bafög gezahlt wurde. Hinzu kamen Praktika und das Anerkennungsjahr. Für die PIA-Ausbildung ändert sich das jetzt: Vorgeschrieben ist eine Bezahlung nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes und das sind 1.140 Euro brutto im ersten Ausbildungsjahr und 1.303 Euro im dritten Ausbildungsjahr. Voraussetzung ist ein mittlerer Schulabschluss und eine Vorausbildung oder Abitur sowie sechs Wochen Praktikum in Vollzeit.

Die Stadt Salzkotten will nun erstmals eine solche PIA-Stelle neben den zwei Ausbildungsplätzen in diesem Bereich anbieten, so die Pressesprecherin Marina Glahe-Bracht. Geseke beschränkt sich aktuell auf eine Anerkennungspraktikantin pro Jahr. Büren plant für das Kindergartenjahr 2022/2023 mit zwei Auszubildende im Anerkennungsjahr und einer Stelle im Bundesfreiwilligendienst.

Bad Wünnenberg bildet jedes Jahr bis zu fünf neue Fachkräfte aus, so die Pressesprecherin Norina Wieners. Fakt ist aber: Die Ausbildungsinitiativen werden in frühestens drei Jahren erste Früchte tragen. Vorher müssen Eltern weiter selbst die Betreuung regeln und unter Umständen auch danach: Auch im Bereich der OGS-Betreuung und der Lehrer zeichnet sich ein Mangel an Fachkräften ab.

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