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Thema der Woche

Keine Steuervorteile für Männervereine. Dann sagen die Betroffenen der Region

Sonntag, 24. November 2019 von Franz Purucker

„Wir ändern gerade das Gemeinnützigkeitsrecht“ wird Finanzminister Olaf Scholz von der Bild am Sonntag zitiert. Demnach sollen Vereine, die grundsätzlich keine Frauen aufnehmen, bald nicht mehr als gemeinnützig gelten. Dies würde auch im NR-Land zahlreiche Vereine treffen, insbesondere traditionelle Schützenvereine, wo in den meisten Fällen nur Männer aufgenommen werden.

Gleichzeitig würden bei einer geschlechtergerechten Auslegung auch reine Frauenvereine wohl in den Fokus rücken und ihre Vorteile verlieren, wie das Ausstellen von Spendenquittungen und die Befreiung von der Körperschaftssteuer – und damit auch ihre finanzielle Existenzgrundlage.(

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Die Aufnahme einer Frau wäre für den Männergesangsverein Tudorf schon aus ganz praktischen Gründen unmöglich, denn Damen haben eine viel höhere Stimme als Männer. Foto: Verein


Ein betroffener Verein wäre die Sankt Sebastianus Schützenbruderschaft 1412 Geseke. „Dann könnten wir keine Spendenquittungen mehr ausstellen. Unserem Sozialfond würde somit viel Geld verloren gehen“, mutmaßt Oberst Dr. Friedrich Bergmann. Schon vor zwei Jahren gab es vom NRW-Finanzministerium Überlegungen, reinen Männervereinen die Gemeinnützigkeit zu streichen, erinnert sich Bergmann. Ganz neu ist das Thema also nicht.

Schützenverein diskutiert Frauenzulassung

Trotzdem kann sich der Oberst durchaus Reformen vorstellen, und zwar unabhängig von der aktuellen Steuerdiskussion: „Das wird irgendwann kommen. Wir müssen das ganz offen diskutieren“, so Bergmann. Aktuell steckt der Verein mitten in den Neuwahlen, im Frühjahr ist eine solche Grundsatzdiskussion aber durchaus denkbar.

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Aktuell schreibt die Satzung vor, dass Mitglieder christlich, über 18 Jahre alt und männlich sein müssen. Letzteres könnte einfach gestrichen werden.
In Borgentreich gibt es bereits eine St. Sebastian Schützenbruderschaft, die Frauen zulässt und sogar eine Brudermeisterin als Vorsitzende hat. „Die würde ich einladen, um über ihre Erfahrungen zu diskutieren“, so Bergmann.

Will das Steuerrecht verändern: Bundesfinanzminister Olaf Scholz.
Foto: F. Schwichtenberg /Wikipedia (CC BY-SA 3.0)


Aktuell in der Diskussion sind nur Vereine, die Frauen ausschließen, weitergedacht wäre aber auch das umgedrehte Beispiel denkbar: Die Katholischen Frauen Deutschland (kfD) sind ein Beispiel für reine Frauenvereine. Aber: „Wir erlauben schon seit vielen Jahren Fördermitgliedschaften von Männern“, so Petra Tölle, stellvertretende Diözesanvorsitzende in Paderborn. Deshalb würde eine Regelung auf sie nicht zutreffen. Aber: Im Bundesverband werden die wichtigsten Entscheidungen von Frauen getroffen.


Auch im Männergesangsverein Tudorf (Salzkotten) haben sich die Mitglieder schon vor einigen Jahren Gedanken über den Entzug von Steuervorteilen gemacht. „Das würde uns bestimmt eine vierstellige Summe kosten“, so der erste Vorsitzende Dominik Weinert.
Anders als bei einem Schützenverein gibt es für einen Männergesangsverein ganz praktische Gründe, die gegen eine Mischform sprechen: „Eine Frau würde deutlich höher singen. Da würde ein Mann niemals hinkommen.“


Trotzdem ist der Vereinsvorsitzende überzeugt, dass dieser Vorschlag niemals durchkommt: „Das würde die gesamte Vereinslandschaft zerstören. Das findet niemals eine Mehrheit.“

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Auch der Bundestagabgeordnete Hans-Jürgen Thies (CDU) stellt sich eindeutig auf die Seite der Vereine: „Die Traditionsvereine bei uns in der Heimat leisten eine wichtige ehrenamtliche Arbeit für das gesellschaftliche Leben. Wir dürfen ihnen nicht unnötige bürokratische Hürden in den Weg stellen“ stellt Thies fest und betont, dass der Vorschlag nicht mit dem Koalitionspartner CDU abgestimmt sei. „Die Gemeinnützigkeit eines Vereins hängt von der Arbeit und dem Zweck des Vereins ab, nicht von dem Geschlecht seiner Mitglieder.“


Noch handelt es sich aber lediglich um einen Vorstoß des Ministers, der doch weit von den politischen Gremien entfernt ist.

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