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Mensch mit Atemschutzmaske
Foto: Pixabay (Symbolfoto)
Spezielle Masken können davor schützen, das Virus weiterzugeben.
NR-Land

Kann die offizielle Zahl der Corona-Infizierten eigentlich auch sinken?

Mittwoch, 1. April 2020 von Franz Purucker

Jeden Abend zwischen 16.30 Uhr und 17.30 Uhr übermitteln die Gesundheitsämter aus Paderborn und Soest die aktuelle Zahl der Corona-Infizierten an die Medien, auch an die Neue Regionale. Immer gibt es eine Steigerung. Der Grund ist die Rechnung der Gesundheitsämter.

Auch wenn die Zahl der positiv getesteten Corona-Fälle zurückgeht, sinken die offiziell vermeldeten Zahlen nicht. Der Hintergrund: Die Kreise veröffentlichen sogenannte kumulierte Zahlen. Das bedeutet: Jede Infektion wird gezählt, auch wenn die Person eigentlich schon geheilt ist. Auch diese Fälle gibt es bereits.

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Aktuell (Stand 31. März) zählen im Kreis Paderborn 22 Personen als „geheilt“,  darunter eine Person aus Borchen, eine Person aus Büren, drei Personen aus Delbrück, 15 Personen aus Paderborn und zwei aus Bad Wünnenberg. Aich in Geseke sind bereits fünf Personen genesen. Genau genommen müssten die Geheilten in der offiziellen Statistik abgezogen werden. Dann ergäbe sich dieses Bild:

Die Antwort auf die Frage im Titel, ob die offizielle Zahl der Infizierten sinken kann, ist also „Nein“. Die Zahl wird immer weiter steigen, selbst dann wenn es mehr Geheilte als Infizierte gibt.

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Aber auch diese Zahl widerspiegelt nicht die komplette Wahrheit: Laut offizieller Zählung des Kreises sind aktuell (Stand 31. März) 252 Personen positiv auf das Virus getestet worden, allerdings befinden sich rund 700 Menschen in Quarantäne, teilte das Gesundheitsamt auf NR-Anfrage mit.

Der Grund: Wird bei einer Person in der Familie das Virus nachgewiesen, gehen alle Familienmitglieder in Quarantäne, aber nicht jeder einzelne wird getestet. In Wahrheit dürfte die Zahl also wesentlich höher sein als offiziell vermeldet. Hinzu kommt die Dunkelziffer, die keiner kennt.

Im Abstrichzentrum in der Allanbrookkaserne in Paderborn können täglich bis zu 130 Personen getestet werden, also 650 pro Woche. Das klingt zunächst viel. Aber: Hier werden auch alle diejenigen getestet, bei denen das Virus bereits nachgewiesen wurde, nun aber die mindestens 14-tägige Quarantäne überstanden haben. Hier werden nun alle Familienmitglieder getestet, auch diejenigen, bei denen vorher kein Test gemacht wurde.

Bitter: Bei wem nach dieser Quarantäne-Phase noch immer das Virus nachgewiesen wird (also Test positiv), der muss weitere 14 Tage in Quarantäne. Ist der Test negativ, darf man wieder arbeiten gehen, selbst wenn einige Familienmitglieder noch positiv getestet sind und damit weiter in Quarantäne bleiben müssen. Wer geheilt ist, entwickelt eine Immunität gegen das Virus.

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