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Foto: Shutterstock
Steht das Kind unter Quarantäne, können Eltern sogenanntes „Kinderkrankengeld“ beantragen.
NR-Land

Jetzt startet die Durchsuchung in den Schulen und Kitas

Freitag, 4. Februar 2022 von Franz Purucker

Trotz großer Vorsicht grassiert das Corona-Virus mit hohem Tempo in den Schulen und Kitas des NR-Landes. In einigen Klassen fehlt jeder fünfte Schüler. Wie viele Schulen und Kitas genau betroffen sind, kann Michaela Pitz, Sprecherin des Kreises Paderborn, nicht sagen: „Fakt ist, dass wir ein flächendeckendes Infektionsgeschehen haben, also nahezu alle Kindergärten und Schulen von positiven Corona-Fällen betroffen sind.“

Das zeigen auch die statistischen Zahlen. Im Kreis Paderborn liegt die Inzidenz bei 1.072, in der Altersgruppe der 0- bis 19-Jährigen hingegen bei 1.798 (Freitag). Im Kreis Soest stieg die Inzidenz auf 1.366, bei den unter 20-Jährigen bereits auf 2.418.

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An der Montessori-Grundschule in Salzkotten herrscht noch relative Ruhe, wie die Schulleiterin berichtet. Zwar fehlen auch hier in jeder Klasse Kinder, doch sind nicht alle selbst infiziert, sondern in Quarantäne, weil Familienangehörige an Covid-19 erkrankt sind. „Die betroffenen Kinder erhalten von uns Aufgaben online oder persönlich in den Briefkasten gesteckt“, so Schulleiterin Ulrike März. Das Schulteam hatte Anfang des Jahres zahlreiche Einzelröhrchen mit Barcodes beklebt, mit denen bei positivem Corona-Klassenpool die Einzel-Nachtests der Schüler durchgeführt werden sollten.

Gute Corona-Überwachung: Nur ein Traum

Doch bereits nach zwei Wochen verschwinden diese erstmal im Schrank. Mit der Periodisierung der PCR-Tests werden Nachtests nun mit den deutlich unzuverlässigeren Schnelltests durchgeführt. Die Schulleiterin ist unzufrieden: „Der ständige Wechsel der Testmethoden verunsichert Kinder und Erwachsene.“

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Von der guten Corona-Überwachung der Schulen können die Kitas nur träumen: Nur wenn ein Kind positiv getestet wird, müssen die Kitas von den Eltern verlangen, dass diese ihre Kinder testen. „Ob das die Eltern wirklich machen, können wir nicht überprüfen“, sagt Detlef Müller, Geschäftsführer der Katholischen Kitas Hochstift. 

Die allermeisten Eltern nehmen diese Tests ernst, aber es gibt auch immer wieder Einzelfälle, die sich darüber hinwegsetzen wollen. Im Januar gab es in den 94 katholischen Kitas im Hochstift 90 Kinder und 70 Mitarbeiter, die positiv getestet wurden. PCR-Pooltests in den Kitas würde das Land zwar bezahlen, aber die Kapazitäten sind knapp. Zuletzt hatte die Stadt Bielefeld für ihre 190 Kitas derartige Verträge abgeschlossen, im NR-Land sind solche hingegen nicht geplant.

Erzieherinnen geraten unter Beschuss

„Alle sprechen über die Schulen. Die Kitas haben Politik und Gesellschaft hingegen kaum im Blick“, so Müller: „Unsere Mitarbeiter machen gerade in diesen Zeiten einen großartigen Job und können sich nicht durch Maske und Abstand schützen.“

Schnell geraten bei positiven Fällen auch die Erzieherinnen unter Beschuss. Weihnachten 2020 kam es im Familienzentrum „Rasselbande“ in Geseke zu einem Positiv-Fall beim Personal. Mitarbeiter und Kinder mussten ausgerechnet über Weihnachten in Quarantäne: „Die Kollegen sind beschimpft worden, das war sehr unschön“, berichtet die Leiterin. Inzwischen sind die Eltern entspannter und tragen die Maßnahmen mit. Die Geseker Kita hat ein Betretungsverbot für die Eltern durchgesetzt. Das Kind wird an der Tür abgegeben.

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Das Land hat unterdessen entschieden: Grundsätzlich bleiben die Kitas geöffnet, außer wenn die Betreuung wegen Personalmangel nicht mehr möglich ist oder das Gesundheitsamt die Schließung anordnet. Die Folge für die Mitarbeiter: Sie müssen vor Ort rechtfertigen, wenn die Kita doch schließt.

Das sind die Tücken am Kinderkrankengeld

Kann ein Kind wegen Quarantäne oder eigener Erkrankung Schule oder Kita nicht besuchen darf, können Eltern sogenanntes Kinderkrankengeld bei ihrer Krankenkasse beantragen. Die Zahlen sind laut AOK zuletzt stark angestiegen.

Abgesehen vom bürokratischen Aufwand sind jedoch die Einbußen enorm. Zwar werben Politik und Krankenkassen gerne damit, dass „90 Prozent vom Netto“ gezahlt würden, was aber nur die halbe Wahrheit ist. Von diesem Betrag werden nämlich noch Beiträge zur Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung abgezogen, sodass Eltern oft nicht mehr als Arbeitslosengeld (67 Prozent vom Netto) bleibt. Viele Familien sind dadurch gezwungen, weitere Sozialleistungen zu beantragen. 

Der Anspruch gilt für Kinder bis elf Jahre und ist auf 30 Tage pro Kind und Elternteil begrenzt. 

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Wer hingegen selbst an Corona erkrankt, erhält die Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber, also sein Gehalt ohne Abzüge weiter.

Kita und Schule darf ein Kind nach fünf Tagen Quarantäne wieder besuchen, wenn es einen negativen Schnelltest vorlegen kann. Kinder, die sich selbst mit dem Virus infiziert haben, können sich nach sieben Tagen „freitesten“.

Um die Kitas in ihrem Alltag zu unterstützen, finanziert das Land sogenannte „Alltagshelfer“. „Gerade für Reinigungs- und Desinfektionsaufgaben konnten wir so neues Personal einstellen und den Stundenumfang unserer Hauswirtschaftskräfte erhöhen“, so Detlef Müller. 

Kita-Helfer-Programm ist zu kompliziert

Obwohl sich die Lage in den Einrichtungen kaum entspannte, lief die Förderung im Spätsommer aus und das Personal wurde gekündigt. Seit Januar gibt es das Geld vom Land zwar wieder, aber mit einer langen Liste an Restriktionen: So darf nicht der Stundenumfang von bestehenden Personal erhöht werden oder vom Träger auf eigene Kosten weiterbeschäftigtes Personal verlängert werden. „Das ist Murks. Der Markt ist leer gefegt“, schimpft Detlef Müller weiter.

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Seine Angst ist, dass die Kitas kein Personal finden und es zum Projektende im Juli dieses Jahres heißt, die Gelder seien nicht genutzt wurden und werden dann gestrichen.

Vor dem gleichen Problem steht Anja Feid vom Familienzentrum Rasselbande: „Wir hatten eine sehr gute Bewerbung einer Kinderpflegerin. Das Land schreibt aber vor, dass kein pädagogisches Personal eingestellt werden darf. Eine Juristin beispielsweise dürften wir sofort einstellen.“ Dabei wären die Kita-Helfer auch eine Option gewesen, Menschen für den Erzieherberuf zu interessieren und so langfristig den starken Fachkräftemangel in diesem Bereich zu entspannen, wenn sich beispielsweise die Kita-Helfer später zu Erziehern weiterbilden lassen, so Feid.

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