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Foto: Shutterstock
Die drohende Impfpflicht sorgt im deutschsprachigen Raum für Proteste - hier ein Foto aus Österreich. Beim Pflegepersonal droht ein massiver Fachkräftemangel, der Krankenhäuser und Pflegedienste an das absolut machbare Limit führt.
Thema der Woche

Jeder 20. Mitarbeiter im Pflegebereich ist ungeimpft

Montag, 28. Februar 2022 von Franz Purucker


Bis 15. März müssen die betroffenen Unternehmen dem zuständigen Gesundheitsamt alle bis dahin nicht geimpften Mitarbeiter melden.

Gespräche gab es dazu aber schon früher: „Wir haben alle Mitarbeiter angesprochen und werden bei der Umsetzung individuelle Lösungen finden“, so Christian Bambeck von der Caritas. Eine Mitarbeiterin beispielsweise hat erklärt, sich mit dem nun angebotenen Totimpfstoff Novavax impfen zu lassen.
Eine Versetzung in andere Bereiche jedenfalls ist schwierig: „Ich kann eine Pflegekraft nicht in die Schuldnerberatung setzen“, so Bambeck.

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Auch Dieter Ritz hat mit den betroffenen Mitarbeitern das Gespräch gesucht: „Manche Sachen kann ich nachvollziehen, manche Sache sehe ich anders. Aber wir müssen das Gesetz letztlich anwenden.“
Was passiert mit betroffenem Personal?

Josef Düllings, Geschäftsführer der St. Josef Krankenhausgesellschaft, der unter anderem das Salzkottener Krankenhaus gehört.

Der Haarener Hausarzt Dr. Thomas Bandorski weiß von seinen Kollegen, dass es in vielen Teams Impfverweigerer gibt. „Wer sich bis jetzt nicht impfen lassen hat, wird sich auch durch eine Impfpflicht nicht umstimmen lassen“, ist der Mediziner überzeugt.

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Unklar bleibt, was mit ungeimpften Mitarbeitern genau passiert. „Die Entscheidung liegt nicht beim Arbeitgeber. Hier halten wir uns an die gesetzlichen Vorgaben“, so Krankenhausgeschäftsführer Dr. Josef Düllings. Ein Betretungsverbot muss nach dem Gesetz das zuständige Gesundheitsamt aussprechen, aber tut es das auch?

„Unser Gesundheitsamt hat alle Vorbereitungen getroffen. Wir werden uns streng an die Erlasse und Durchführungsbestimmungen halten, die auf ministerieller Ebene noch in Arbeit sind“, teilt die Kreispressesprecherin Manuela Pitz eher schmallippig mit.

Die Frage, ob das Gesundheitsamt in so kurzer Zeit überhaupt derart viele Fälle bearbeiten kann, ließ die Sprecherin ebenso unbeantwortet wie die Nachfrage dazu, ab wann diese Verbote konkret ausgesprochen werden.

Impfung gegen Corona in der Bad Wünnenberger Hausarztpraxis von Dr. Thomas Bandorski. Foto: Franz Purucker

In der Praxis wird von den Pflegediensten noch mit diesem Personal geplant: „Im Dienstplan für März sind diese Mitarbeiter regulär eingeteilt“, so Dieter Ritz. Auch Bambeck rechnet erst mal mit diesem Personal.
Die Impfpflicht sorgt auch bei den Geschäftsführern selbst für Kopfschütteln: „Eine allgemeine Impfpflicht gibt es in Deutschland für keine Krankheit. Auch kenne ich keine Impfquote, die so hoch ist wie die gegen das Coronavirus. Aus meiner Sicht hat sich die Politik hier in eine Sackgasse manövriert“, so der Hauptgeschäftsführer Dr. Josef Düllings, der betont selbst geimpft und geboostert zu sein und dies jedem empfehlen würde. Allerdings betont auch er: „Wir haben nicht das Recht, Menschen zur Impfung zu zwingen.“

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Christian Bambeck von der Caritas sieht das ein wenig anders, kritisiert aber die Einschränkung auf die Pflegebranche: „Wenn wir von einem Vorläufer für die allgemeine Impfpflicht sprechen würden, fände ich das durchaus in Ordnung. Aber warum ausgerechnet das Pflegepersonal, dass einer engmaschigen Testpflicht unterliegt.“ Der Caritas-Geschäftsführer fügt außerdem hinzu: „Inhaltlich halte ich es für richtig, eine Impfpflicht zu machen, aber können wir eine Impfpflicht auch durchsetzen?“

Sollte es tatsächlich zu Betretungsverboten und Ausfällen kommen, hätte zumindest der Pflegedienst Homecare in Geseke noch ein Ass im Ärmel: Da der Geschäftsführer selbst ausgebildete Pflegefachkraft ist, könnte dieser sein Team durch den eigenen Einsatz am Patienten auch kurzfristig unterstützen.

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