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Foto: Franz Purucker
Welcher Impfstoff soll als Zweitimpfung gegeben werden? Die Praxen hatten bislang vorrangig AstraZeneca verimpft und auch ihre Logistik und Planung darauf ausgerichtet. Nun soll aber doch Biontech als Zweitimpfung verabreicht werden.
NR-Land

Impfchaos: Was wird jetzt aus der Zweitimpfung?

Samstag, 10. Juli 2021 von Franz Purucker

Der Mailprovider von Dr. Thomas Bandorski aus Bad Wünnenberg meldete zum Wochenbeginn einen SPAM-Angriff auf sein Postfach, weil mehr als 250 Mails an nur einem Tag eingingen. Die Mails sind jedoch kein Spam, sondern fast alles Nachfragen von Patienten, die nun wissen wollen, wie es mit der Impfung weitergeht.

Der Hintergrund: Die Ständige Impfkommission (Stiko) entschied am 1. Juli, dass Personen, die als Erstimpfstoff AstraZeneca bekommen haben, nun als Zweitimpfung einen mRNA-Impfstoff erhalten sollen – also entweder von BioNTech/Pfizer oder von Moderna und das bereits vier Wochen nach der Erstimpfung.

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AstraZeneca wurde vor allem von den Hausärzten großflächig seit Anfang Mai gespritzt, weil die Priorisierung für diesen Vektorimpfstoff aufgehoben war und dieser als erster jedem unabhängig von Alter und Beruf zur Verfügung stand.

Mit der neuen Empfehlung geht das Auf und Ab mit dem Impfstoff weiter. „Erst sollten wir Astrazeneca nur unter 60-Jährigen impfen, dann nur noch über 60-Jährigen. Erst die Zweitimpfung nach vier Wochen, dann wegen besserer Wirksamkeit nach zwölf Wochen und nun mit einem neuen Impfstoff wieder nach vier Wochen“, sagt Dr. Bandorski sichtlich genervt.

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Die Kreuzimpfung verspricht nah neueren Studien eine höhere Wirksamkeit gegen die neue Delta-Variante, die sich auch in Deutschland immer weiter ausbreitet. Ungewöhnlich ist das Vorgehen nicht. Bei Ebola zum Beispiel wird seit Jahren eine Kombination aus zwei Stoffen empfohlen.

Aber: Die sogenannte „heterogene Impfung“ – also aus zwei unterschiedlichen Impfstoffen hat höhere Nebenwirkungen. Ausdrücklich zugelassen ist auch weiterhin die Zweitimpfung mit AstraZeneca – im Idealfall nach zwölf Wochen. Wer sich dafür entscheidet, hat sogar gute Möglichkeiten, seinen Impftermin behalten zu können. Dadurch, dass nun viele der Stiko-Empfehlung folgen wollen, könnte der Astrazeneca-Impfstoff zum Ladenhüter werden und sich in den Kühlschränken von Ärzten und Impfzentren stapeln.

Es gibt durchaus Punkte, die für ein solches Schema sprechen: „AstraZeneca ist ein ganz klassischer Impfstoff nach einem mehrfach genutzten Verfahren. Die Studienlage gibt hohe Sicherheit für die Impfung mit zwei Dosen“, verteidigt Bandorski das Verfahren. Auch seine Praxis hält sich aber grundsätzlich an die Stiko-Empfehlung und weicht nur auf ausdrücklichen Patientenwunsch davon ab.

Auch für manche Urlaubsziele ist aber eine homogene Impfung vorteilhaft, denn noch wird die Kombi-Impfung nicht von allen Ländern anerkannt. Sogar in einem EU-Land gibt es Probleme – noch mehr aber im außereuropäischen Ausland. Auch die Weltgesundheitsorganisation und die Europäische Arzneimittel-Agentur haben noch keine Zustimmung erteilt.

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Vor welchen Problemen die Ärzte in der Region nun stehen, wie Patienten sich verhalten sollen, die ihre Zweitimpfung umbuchen wollen, lesen Sie auf der zweiten Seite.

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