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Ein Mädchen hält sich in einer Ecke die Hände vors Gesicht. Vor ihr liegt ein Teddybär.
Foto: Shutterstock (Symbolfoto)
Oft sind die Opfer jünger als 18 Jahre, wenn sie in die Prostitution getrieben werden.
NR-Land

Immer mehr Frauen fallen auf die Loverboy-Methode rein oder werden aus dem Ausland verschleppt

Sonntag, 1. November 2020 von Franz Purucker

Es beginnt häufig als harmloser Flirt an der Bar. Der Loverboy umwirbt die Dame und macht Avancen auf eine gemeinsame Liebesbeziehung. Wenig später behauptet der Loverboy, Schulden zu haben, die der Beziehung im Weg stehen. Aus Liebe geht die Frau als Prostituierte arbeiten.

Wenn das Opfer, oft jünger als 18 Jahre, das System durchschaut, hat sie oft bereits Kontakte zu Freunden und Familien verloren und wird mit psychischer und körperlicher Gewalt zur Sexarbeit gezwungen.

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Die Loverboys haben es besonders auf sehr junge Frauen abgesehen. Laut des Lagebild „Menschenhandel und Ausbeutung“ des NRW-Landeskriminalamtes war das jüngste Opfer 2018 gerade einmal 14 Jahre alt.

Es gibt noch mehr Methoden: Auffällig hoch ist der Anteil ausländischer Zwangsprostituierter: 31 Prozent stammen laut Bericht aus Nigeria, 20,6 Prozent aus Deutschland und viele aus Rumänien und Albanien. Diese Frauen werden oft mit Kellner- oder Tanz-Jobs nach Deutschland gelockt und dann zum Anschaffen in Bordellen gezwungen. Mit ihrem ungeklärten Aufenthaltsstatus (oft nach illegaler Einreise) setzen die Peiniger ihre Opfer zusätzlich unter Druck. Die Hälfte der Zwangsprostituierten in NRW ist jünger als 26 Jahre alt.

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Viele der Frauen fliehen aus tiefer Armut und hoffen in Deutschland auf ein besseres Leben, wollen aus Westeuropa ihre Familien und Kinder finanziell unterstützen. Eine Rückkehr ins Heimatland kommt oft nicht in Frage.

In NRW gab es 2018 114 Verfahren wegen Zwangsprostitution mit 131 Opfern und 154 Tatverdächtigen, darunter auch 40 Frauen, die nicht nur als Anwerberinnen, sondern teilweise auch direkt am Menschenhandel beteiligt waren. Deutschland ist weltweit eines der größten Ziele der Menschenhändler. 

Hilfsorganisationen wie Nadeschda unterstützten die Frauen bei der Beantragung von Asyl und Sozialleistungen. 

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