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Foto: Franz Purucker
Staat und Verbraucher fordern mehr Tierwohl, den Haltern fehlt die nötige Planungssicherheit
Thema der Woche

Haltungssiegel krempelt Landwirtschaft um

Montag, 16. Mai 2022 von Franz Purucker

Tierwohlsiegel, regionale Herkunft oder doch Bio? Die Siegel und Zertifikate auf landwirtschaftlichen Produkten werden für den Kunden im Supermarkt immer unübersichtlicher und das obwohl die Bundesregierung seit Jahren eine verbindliche Lösung vorlesen will. Auch für den Landwirt wird es dadurch immer komplizierter.

Der Bedarf an regional produzierten Lebensmitteln ist hoch – deshalb schmücken auch immer mehr Supermärkte ihre Waren mit diesem Ausdruck. 

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Geschützt ist dieser Begriff jedoch nicht. „Wer wirklich regional kaufen will, muss zum Hofladen um die Ecke gehen“, so Bernhard Rüb, Pressesprecher von der Landwirtschaftskammer NRW, die die Behörden unter anderem bei Baumaßnahmen für Ställe berät: „Regional kann heißen aus NRW – im schlimmsten Fall aber auch einfach aus Europa.“ 

Auch in der Region nutzen immer mehr Landwirte den Direktverkauf als Einnahmequelle, was jedoch auch zusätzlichen Aufwand bedeutet.

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Gleichzeitig steigt die Bereitschaft, für mehr Tierwohl tiefer ins Portemonnaie zu greifen. Der Umsatz von ökologisch produzierten Lebensmitteln steigt. Das Siegelchaos ist dort aber nicht kleiner: Den ersten Anlauf machten vor einigen Jahren die Landwirte selbst mit der „Initiative Tierwohl“.

Aus jedem Verkauf gingen einige Cent in einen Fond, aus dem Landwirte Maßnahmen für mehr Tierwohl finanzieren konnten. Aber: Der Verbraucher hatte keinerlei Sicherheit, dass das Geld wirklich dem Tier zugutekommt, von dem er gerade Fleisch gekauft hat.

Immer wieder wurden einheitliche Siegel und Haltungsklassen diskutiert. Die Bundesregierung hat noch immer kein einheitliches System vorgelegt und anderem weil offen ist, wer die Stallmaßnahmen finanzieren soll. 

Aldi, Lidl / Kaufland, Edeka/Netto, Combi und Rewe /Penny klassifizieren ihr Fleisch von „1“ für Stallhaltung, „2“ für StallhaltungPlus, „3“ Außenklima oder „4“ für Premium. Nicht alle Supermarktketten beteiligen sich an dieser freiwilligen Einteilung. Bernhard Rüb sieht noch ein viel größeres Problem: „Der Handel kontrolliert das System komplett selbst. Es ist nicht einklagbar.“

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Wer wirklich sicher sein will, dass das Tier artgerecht gehalten wurde, muss zu Bio-Produkten greifen. „Hier gibt es ein engmaschiges Kontrollsystem mit gesetzlich definierten Standards“, so Bernhard Rüb. 

Der Druck auf die Landwirte jedenfalls wächst: Aldi hat bereits angekündigt, ab 2030 nur noch Fleisch aus den Kategorien 3 und 4 verkaufen zu wollen.

Vor welche Herausforderungen dies die Landwirte stellt, warum Tierhalter immer schwieriger Kredite für ihre Bauvorhaben bekommen und wie sich der Öko-Landbau in der Region entwickelt, lesen Sie im Thema der Woche auf der nächsten Seite.

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