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Foto: Schreiber
Imposante Pflanze: Naturschützer Joschi Kleine an einem Vorkommen des Riesenbärenklau in Geseke. Bis zu drei Meter Höhe kann das giftige Gewächs erreichen.
NR-Land

Giftige Pflanzen im NR-Land: Klimawandel begünstigt exotische Arten

Samstag, 27. August 2022 von Marco Schreiber

In der Nähe einer unzugänglichen Stelle am Stadtrand von Geseke klettert Joschi Kleine aus dem Auto. Versteckt vor zufälligen Spaziergängern steht hier auf einer Fläche von etwa 20 mal vier Meter eine Ansammlung von  Riesenbärenklau. „Er ist hier übersehen worden“, sagt der Vorsitzende des Geseker Naturschutzvereins VerBund. 

Nur deshalb hat die giftige Staude an dieser Stelle die Blüte überleben und Samen bilden können. Der auch als Herkulesstaude bekannte Riesenbärenklau wird nicht nur im Kreis Soest radikal bekämpft.

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Für den Menschen kann die Pflanze gefährlich werden. Im Saft der Staude findet sich der Giftstoff Furocumarin. Schon in geringen Mengen kann die Substanz allergische Reaktionen auslösen, bis hin zu Kreislaufproblemen und Fieber.  Empfindliche Personen könnten einen anaphylaktischen Schock erleiden, sagt Kleine. „Wir sollten besser Abstand halten.“ 

Gelangt der Pflanzensaft auf die Haut, können sich bei Sonnenschein verbrennungsähnliche Symptome wie Rötungen, Blasen und Quaddeln zeigen. Die Dämpfe des pflanzlichen Gifts können beim Einatmen Übelkeit, Atemnot und Kreislaufprobleme hervorrufen. 

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Nicht nur deshalb ruft der Kreis Soest auf seinen Webseiten dazu auf, das Vorkommen der Staude zu melden. Sie schade auch der hiesigen Pflanzenwelt. „Die riesigen Blätter der imposanten Staude nehmen den heimischen Pflanzen das Licht und damit ihren Raum zum Leben“, schreibt der Kreis Soest. Mit dem Wasser von Flüssen und Bächen könne der schwimmfähige Samen verbreitet werden. Dieser könne bis zu zehn Jahre keimfähig bleiben.

Da die Pflanze aus einer Rübe immer wieder neu austreibt, sei eine Bekämpfung äußerst schwierig. Weil mähen allein nicht ausreichend sei, müsse die Wurzelrübe mit einem Spaten durchstochen werden. Blütendolden mit Samen sollten in Folien verpackt und vernichtet werden.

Um sich nicht zu gefährden, raten Fachleute zu Schutzkleidung. Dazu gehören Handschuhe und eine Brille mit seitlichem Schutz

Im NR-Land eher selten

Weil im Kreis Soest „rechtzeitig Gegenmaßnahmen“ ergriffen worden sind, sei der Riesenbärenklau im Stadtgebiet von Geseke „kein großes Problem“, sagt Manfred Raker. Der Biologe ist ebenfalls Mitglied bei VerBund und wird als Ansprechpartner für eingeschleppte Arten wie den Riesenbärenklau genannt. „Man findet ihn nur dort, wo keine Pflege stattfindet“, so Raker. „Im Stadtgebiet tritt er nach Beobachtungen des VerBund nur punktuell auf.“ Wo immer Menschen zugange seien, werden Vorkommen rasch erkannt und beseitigt.

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Der Kreis Soest berichtet auf Anfrage von einer Meldung, die für Geseke in diesem Jahr eingegangen sei – bei 38 Meldungen im gesamten Kreis. Die Bestände seien deutich zurückgegangen.

Im Kreis Paderborn wird der Riesenbärenklau an 80 Fundorten bekämpft, um die Bevölkerung zu schützen, sagt Pressesprecherin Dana Ramme. Auch in Salzkotten, Büren, Bad Wünnenberg. Allerdings weisen diese Standorte „aktuell keine Exemplare der Pflanzen auf“, so Ramme. Wegen der Samen im Boden würden sie regelmäßgig kontrolliert.

Der auch als Herkulesstaude bekannte Riesenbärenklau wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Zierpflanze vom Rande Asiens nach Mitteleuropa gebracht. Ursprünglich ist Heracleum  mantegazzianum, so der wissenschaftliche Name, im Kaukasus zu Hause. Von den Parks und Gärten, die sich mit der Staude schmückten, hat sie sich bald in der freien Natur verbreitet.

Eingewanderte Arten werden von Fachleuten als Neophyten bezeichnet. Dazu zählt auch die Beifuß-Ambrosie, vor der die AOK aktuell besonders Allergiker warnt. „Ambrosia Artemisiifolia ist eine hochallergene Pflanze, die sich in Europa durch den Klimawandel immer mehr verbreitet“, so die Krankenkasse. 

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Schon eine geringe Menge der Pollen reiche aus, um Bindehautreizungen, Heuschnupfen oder allergisches Asthma auszulösen. Laut Bundesumweltamt gelten die Pollen als fünfmal allergener als Gräserpollen. „Bei Menschen, die bereits auf den Gemeinen Beifuß allergisch reagieren, kann die Allergie sofort entstehen“, sagt Dirk Schneider von der AOK. 

Die Ambrosie ist wahrscheinlich mit verunreinigten Futtermitteln eingeschleppt worden. „Die meisten Vorkommen befinden sich unter Vogelhäuschen oder an Plätzen, an denen Vogelfutter ausgestreut wird“, sagt Carla Michels vom Landesamt für Umwelt und Naturschutz (Lanuv) in Recklinghausen. Sie betreut die 2007 eingerichtete Ambrosia-Meldestelle des Landes NRW. 

Ursprünglich stammt das Kraut aus den USA und gilt dort als eins der drei Hauptallergene. Wegen ihrer späten Blüte ist sie bei Allergikern besonders gefürchtet.

Die ersten größeren Vorkommen wurden in NRW in den sehr warmen Sommern 2003 und 2006 entdeckt. 2007 wurden alle Kommunen aufgefordert, Ambrosia-Vorkommen zu melden und zu beseitigen. Der daraufhin eingerichteten Meldestelle beim Landesumweltamt wurden bis 2020 mehr als 500 Vorkommen gemeldet. 

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Im NR-Land wurden nach Angaben von Michels bisher keine Ambrosien entdeckt. Da die Pflanze sandige Böden bevorzugt, ist jedoch die Senne betroffen. Michels: „Im Bereich der A33-Trasse zwischen Bielefeld und Paderborn gab und gibt es einige größere Vorkommen.“

Die Ambrosie kann durch Ausreißen, am besten noch vor der Samenbildung, beseitigt werden. So gehen Naturschützer auch bei anderen Pflanzen vor, die zwar für den Menschen ungefährlich sind, aber Flora und Fauna beeinträchtigen: das für Weidetiere giftige Jakobs-Kreuzkraut und das Schmalblättrige Geiskraut. 

Ersteres ist eine heimische Art, die von den trockenen Sommern profitiert und für Weidetiere giftig ist, sagt Manfred Raker von VerBund. Letztere stammt aus dem Süden Afrikas und ist wegen der auffälligen gelben Blüten und dem häufigen Vorkommen an den Fernstraßen als „Autobahn-Gold“ bekannt. Raker: „Sie breitet sich vornehmlich in den ehemaligen Kalksteinbrüchen aus.“ 

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