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Foto: Franz Purucker
Die menschenleere Abflughalle des Paderborn-Lippstadt Airport. Aktuell heben dort nur vier Maschinen pro Woche ab, was noch bis ins Frühjahr so bleiben wird.
Thema der Woche

Gespenstische Leere am Paderborn-Lippstadt-Airport: Chef ist optimistisch

Freitag, 14. Januar 2022 von Franz Purucker

Die Flughafenführung hat optimistische Zukunftspläne. In diesem Jahr sollen 250.000 Passagiere von Büren-Ahden fliegen, 2025 schon 800.000 – also sechs Mal so viele wie heute.

Ein Großteil soll mit touristischen Zielen erreicht werden. Ein kleiner Teilerfolg: TUI konnte überzeugt werden, ab Sommer wieder eine Maschine am Heimathafen zu stationieren. „Das hat viel Überzeugungsarbeit gekostet“, so Hüser.
Geplant sind touristische Flüge nach Rhodos, Kos, Hurghada, Burgas, Gran Canaria und Fuerteventura sowie mehr Verbindungen nach Kreta und Mallorca. Alles Warmwasserdestinationen, die für die Airlines wenig Risiko bedeuten.
Auch im vergangenen Jahr lief das Urlaubsgeschäft gut. „Die Leute hatten es satt, keinen Urlaub zu machen. Die Flüge nach Mallorca und in die Türkei waren gut ausgelastet“, so Hüser.

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Neue Zielgruppen will der Flughafen mit sogenannten „ethnischen Flügen“ anvisieren – also Verbindungen für Familienbesuche von Bürgern mit ausländischen Wurzeln. „Das Potenzial hat diese Region sowieso“, so Hüser und meint damit türkische Mitbürger.

Die Nachricht der Insolvenz wurde in der Türkei als Abschied vom Markt gedeutet. „Die türkischen Airlines gingen davon aus, dass wir erledigt und bankrott sind“, so Hüser. Eine Insolvenz in Eigenverantwortung, indem ein Unternehmen saniert wird, gibt es dort nicht.

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Übersicht zu den Flugbewegungen und Passagierzahlen der letzten Jahre. Grafik: Franz Purucker

Um das Bild wieder gerade zu rücken, ist der Flughafengeschäftsführer mit einer Delegation von Vertretern der deutsch-türkischen Gesellschaft aus Paderborn sowie mit Reisebüros aus der Region extra nach Izmir geflogen, um die Airline Corendon zu überzeugen. Letztlich gelang der Durchbruch, sodass ab Juni zwei Mal pro Woche ins türkische Izmir geflogen wird. „Die Anbuchungszahlen sind sehr gut“, so Hüser.

Als weitere wichtige Destination kommt auch die türkische Hauptstadt Istanbul infrage, was nicht nur ein ethnisches Ziel wäre, sondern auch für viele Geschäftsreisende interessant sein könnte. „Da gibt es ein bisschen dickeres Brett zu bohren, aber wir sind auf einem guten Weg.“

Das gleiche gilt für die wichtige Lufthansa-Verbindung nach München, die besonders Geschäftsreisende schätzen. Rund 55 Prozent fliegen von dort weiter zu Fernzielen in Asien oder Nordamerika, was wie erwähnt aktuell schwierig ist. Die restlichen 45 Prozent nutzen die schnelle Verbindung, um am gleichen Tag hin und zurück zu fliegen.

Zumindest für diese Gruppe wird es aber in Zukunft eng: Zwar fliegt Lufthansa ab April wieder, aber nur abends. Als Alternative können Geschäftsreisende auf die Bahn ausweichen, die täglich um 10.49 Uhr direkt nach München fährt (Ankunft 15.09 Uhr). Aber auch für den Flugverkehr ist Hüser optimistisch: „Die werden die Frequenz wieder hochfahren.“

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Auch der Paderborner Landrat Christoph Rüther betonte: „Die Wirtschaft braucht diesen Flughafen.“ Laut Geschäftsbericht gehen 2.155 der 32.836 Flugbewegungen auf Businessjets und Charterflüge zurück. Zumindest in diesem Bereich hat der Airport das Vor-Krisenniveau bereits erreicht (2019: 2.158).

Starken Aufwind brachte die Corona-Krise für den Frachtverkehr. Kleine Frachter mit zwei bis vier Europaletten versorgen Firmen wie beispielsweise Automobilzulieferer mit dringend benötigten Teilen, deren Versand auf dem See- oder Landweg aktuell sehr lange dauern würde.

Auch bei großvolumigen Frachtern will sich Paderborn-Lippstadt einen Namen machen. Zuletzt landeten mehrere große Frachtflugzeuge mit Corona-Tests aus China (die NR berichtete). „Die Airlines sind darauf angewiesen, dass die Flughäfen so kompetent sind, dass sie die Flugzeuge fristgerecht abarbeiten können. Unsere Mitarbeiter sind heiß auf das Thema.“ Man sei ein zuverlässiger Partner, so Hüser.

Bei allem Optimismus: Es gibt einige Stolpersteine: So plant die EU ab 2024 Steuern auf Kerosin. Der Klimabewegung sind Flugzeuge ein Dorn im Auge und auch die an der Bundesregierung beteiligten Sozialdemokraten und Grünen halten wenig von Kurzstreckenflügen. Keine idealen Voraussetzungen für einen Kleinflughafen, der mit der Bahn nur gut zwei Stunden vom Düsseldorfer Flughafen entfernt liegt.

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