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Foto: Foto: Helga Wissing
Geseke

Geseker Hospiz-Bewegung feiert Jubiläum

Freitag, 8. November 2019 von Helga Wissing

„Wichtig ist uns, zu vermitteln, dass bei uns auch gelacht wird“, versichert Bettina Kettelgerdes. Die anderen Frauen, die an diesem Nachmittag in dem schönen kleinen Fachwerkhaus Auf dem Stifte 6 in der Hellwegstadt Geseke zusammengekommen sind, nicken zustimmend mit dem Kopf.

Es sind noch längst nicht alle ehrenamtlichen Mitarbeiter der Hospiz-Bewegung-Geseke, die sich heute hier versammelt haben. Insgesamt 42 Männer und Frauen engagieren sich in dem bereits 1999 gegründeten Verein. In diesem Jahr gilt es, den 20-jährigen Geburtstag zu feiern.

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Das Team des Geseker Hospizvereins (v.l.): Mechtild Köster, Beate Lehmenkühler, Gisela Korstick (älteste MA ), Koordinatorin Bettina Kettelgerdes, Gerty Eden und Claudia Heinrichsmeier. Foto: Helga Wissing

Alle Mitarbeiter in der Hospiz-Bewegung-Geseke haben eine fundierte Ausbildung für die Sterbebegleitung, einige zusätzlich für die Trauerbegleitung, absolviert. Doch jede bringt auch einen Teil der eigenen Persönlichkeit mit ein. Und profitiert davon, da sind sich alle einig. „Man denkt über vieles gelassener, man verliert die Angst vor dem eigenen Tod“, versichert Gisela Korstick, mit über 80 Jahren die Älteste der Mitarbeiterinnen. 

Fundiert ausgebildet

Jede Sterbebegleitung sei anders, erzählen die Frauen. Manchmal werde gebetet, manchmal sei man einfach nur da und halte dem Sterbenden die Hand. Manchmal werde Musik gehört oder sogar gesungen. Und tatsächlich kommt es auch vor, dass an einem Sterbebett gelacht wird. Natürlich nicht über, sondern mit dem betroffenen Menschen, der mitunter bis zuletzt seinen Humor nicht verloren hat. 

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Die Angst verlieren

Einige wollen am Ende auch reden, weiß Bettina Kettelgerdes. Dinge erzählen, die sie gerne noch loswerden möchten, die sie vielleicht ein Leben lang belastet haben. „Wir unterliegen der Schweigepflicht“, erklärt die hauptberufliche Koordinatorin. Häufig, aber nicht immer ist das Sterben leicht und friedlich, auch darauf sind die Mitarbeiter eingestellt. Regelmäßig gibt es Gruppentreffen und Supervisionen, um über das Erlebte reden zu können. Die Ehrenamtlichen sind längst ein eingespieltes Team. 

Reden, Lachen, Weinen

„Diese Arbeit kann man nur als Team leisten“, bestätigt Bettina Kettelgerdes. Das Wir-Gefühl ist groß. „Die Gruppe trägt jeden Einzelnen“, versichern die Frauen. 

Vorsorgetag des Hospizvereins . Foto: Helga Wissing

Die Hospizbewegung Geseke begleitet in erster Linie schwerkranke und sterbende, aber auch einsame Menschen in ihrer letzen Lebensphase, in Seniorenheimen, im Krankenhaus oder daheim. Gerty Eden nimmt manchmal ihre dreijährige Enkelin mit. Beim Kind und bei den Senioren ist die Freude gegenseitig. 

Die Gruppe trägt

Claudia Heinrichsmeier hat sogar ab und zu zwei Assistenten an ihrer Seite. Paula und Fine sind zwei niedliche Zwergschnauzer, die es lieben, zu kuscheln und betüddelt zu werden. Mit ihrer sanften Art zaubern die beiden Besuchshunde so manchen alten Menschen ein Lächeln aufs Gesicht, helfen bei der Kommunikation und hellen die Stimmung auf. Ins Krankenhaus oder ans Sterbebett dürfen die beiden Vierbeiner natürlich nicht mit. Claudia Heinrichsmeier begleitet auch das einmal im Monat angebotene Trauercafé.

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Sogar „Überlebende“

Was Zuwendung ausrichten kann, haben die Mitarbeiter nicht nur einmal erlebt. Beate Lehmenkühler beispielsweise erinnert sich an einen Herrn, zu dem sie ans Sterbebett gebeten wurde. Das ist jetzt zwei Jahre her. Der alte Mann erholte sich wieder und bis heute besucht sie ihn regelmäßig im Seniorenheim. 

Sie schenken Zeit

In den meisten Einrichtungen sind die Mitarbeiter der Hospizbewegung gern gesehen. Schließlich bringen sie etwas mit, was in den Pflegeberufen immer seltener wird: Zeit. Auch wenn sie keinerlei medizinisch-pflegerische Tätigkeiten ausüben sind Zuwendung, Empathie, Achtsamkeit und Begleitung letztlich unbezahlbar. Und das ist wörtlich zu nehmen. Die Begleitungsangebote sind allesamt kostenfrei.

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