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Familie zählt ihr Geld
Foto: Shutterstock (Symbolfoto)
Viele Familien wissen nicht mehr, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen. Denn die Auszahlung einer als Notfall-KIZ bezeichneten Sozialleistung stockt.
NR-Land

Familien geht das Geld aus: Verzweifeltes Warten auf den Notfall-Kinderzuschlag

Sonntag, 7. Juni 2020 von Franz Purucker

Die Corona-Krise hat tausende Familien finanziell schwer getroffen. Der Bund wollte rasch und unbürokratisch helfen und brachte den Notfall-Kinderzuschlag (kurz: Notfall-KIZ) ins Spiel, der schnell und unbürokratisch ausgezahlt werden sollte.

Sarah S. aus Büren schickte ihren Antrag bereits am 30. April an die zuständige Familienkasse nach Dortmund. Ihr Mann ist in Kurzarbeit, sie arbeitet wegen der geschlossenen Kitas deutlich weniger. Bis spätestens Ende Mai rechnete sie mit einer Auszahlung.

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Im Zuge der Corona-Krise fiel die aufwendige Vermögensprüfung weg. Als Einkommen wird das des Vormonats angenommen – zuvor waren es die vergangenen sechs Monate. Ausgezahlt werden soll mit dem Kindergeld.
Die 33-Jährige hat vier Kinder und damit Anspruch auf 740 Euro (185 pro Kind). Auf das Geld wartet sie noch immer.

Auf Nachfrage beim zuständigen Bearbeiter wird sie vertröstet. Das Arbeitsaufkommen sei hoch. Auf NR-Anfrage schreibt Pressesprecherin Sibylle Hünnemeyer: „Einige Regionen sind besonders betroffen. Infolgedessen kann es hier zur Zeit zu einer längeren Bearbeitungsdauer der Anträge kommen.“
Die Neue Regionale hatte konkret gefragt, wie lange Familien warten müssten, erhielt aber nur ausweichende Antworten.

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Bei Facebook gerät die SPD-Politikern Franziska Giffey zunehmend in die Kritik. Die Familienministerin hatte eine rasche Auszahlung zugesichert. Auf der Antragsseite ist von bis zu sechs Wochen Bearbeitungszeit die Rede. Auf Nachfrage einer Userin bei Facebook antwortet die Ministerin: „Wenn der Antrag vollständig eingereicht wird, geht es meist schneller – etwa zehn Arbeitstage.“

Dass das nicht stimmt, kann die Ministerin in den Kommentaren wohl selbst nachlesen. Mehrere Familien berichten, dass sie seit mehr als sechs Wochen warten. Auffällig ist dabei, dass besonders viele Negativkommentare aus NRW kommen.

Laut Agentur für Arbeit werden allein in NRW im Mai 55.650 Anträge auf Kinderzuschlag gestellt. Vor der Krise waren es etwas mehr als halb so viel. Im Januar beispielsweise 31.604.

Wobei auch bei den Behörden einiges durcheinander zu gehen scheint. Wer den Antrag online stellt, muss zusätzlich einen Brief senden. Im Formular wird als Zieladresse für die Region die Familienkasse in Dortmund genannt.
Aber: Wie die Pressesprecherin auf NR-Anfrage mitteilt, werden die Anträge nun in den Familienkassen vor Ort bearbeitet. Der Brief geht also zunächst nach Dortmund und wird von dort wieder in die Region zurückgeschickt.

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Auf die Nachfrage, was Familien tun könnten, um schnell an Geld zu kommen heißt es: „Um eine zügige Bearbeitung zu gewährleisten ist es wichtig, dass der Antrag auf „Notfall-KiZ“ online gestellt wird, alle Betragsangaben vollständig ausgefüllt sind und nur die notwendigen Nachweise beigefügt werden.“

Familien, wie die von Sarah S., haben den Antrag so gestellt und warten. „Die ersten Lastschriften gehen nun zurück“, so die 33-Jährige.

Was ist der Kinderzuschlag?

Kinderzuschlag erhalten Mütter und Väter, die grundsätzlich ausreichend Einkommen für sich selbst erzielen, aber durch ihre Kinder bedürftig werden und dadurch theoretisch Hartz IV beantragen müssten.

Konkret heißt das: Paare mit mindestens 900 Euro Monatseinkommen (Alleinerziehende 600 Euro) und mindestens einem Kind, dass Kindergeld erhält, können Kinderzuschlag bei der Familienkasse beantragen.

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Die Höhe hängt vom eigenen Einkommen, den Wohnkosten und dem Alter der Kinder ab. Es werden maximal 185 Euro pro Kind ausgezahlt. Zusätzlich gibt es kostenfreies Mittagessen in Schulen und Kitas, Wegfall der Kita-Gebühren und Freizeit-Zuschüsse.


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