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Foto: Fabian318/Wikipedia (Montage)
Die roten Busse der Bahntöchter Westfalenbus und BVO dominieren das Bild im Nahverkehr der Region. Die Einführung eines 1-Euro-Tickets - wie aktuell in Salzkotten diskutiert - scheitert an juristischen Hürden. Doch das wird sich bald ändern, denn die Buslinien sollen nach und nach in die sogenannte Gemeinwirtschaftlichkeit überführt werden.
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Experten sehen 1-Euro-Ticket kritisch

Samstag, 1. Februar 2020 von Franz Purucker

Kurt Reichert aus Delbrück-Bentfeld hat sein zweites Auto abgeschafft. Sein Plan: Die wichtigsten Strecken will er mit dem Bus erledigen. Als der Senior sein Fahrrad nach Hövelhof in die Inspektion bringen will, sucht er die Busverbindung über eine mobile App. „Das Tarifwerk gleicht einem Zweitstudium“, so Reichert, der sich dann doch für eine Alternative entscheidet.

Während die Strecke mit dem Pedelec nur 45 Minuten dauert, sind Bus und Bahn mehr als eine Stunde unterwegs. Dazu kommt der stolze Preis von 5,30 Euro. Dies sind Tarife, die nicht zum Busfahren einladen. Reichert setzt wieder aufs E-Bike bzw. das Auto.

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Ähnlich beklagt sich ein junger Mann aus Oberntudorf, der mit seinen Kindern einen Kinobesuch in Paderborn plante. Der Ticketpreis pro Strecke: 16,80 Euro (Einzelfahrt) für zwei Erwachsene und zwei Kinder. „Das ist absurd, wenn das Parken in Paderborn und der Sprit billiger sind, als die Einzelfahrt mit dem Bus“.

Rainer Wester als Salzkotten, aktiv beim Fahrgastverband Pro Bahn, hat Angst, dass das Tarif-Wirr-Warr und die teuren Preise dazu führen, dass das Auto dem Bus vorgezogen wird. „Wir haben in Salzkotten eine gute Busanbindung in alle Ortsteile, die es zu erhalten gilt.“ Der Salzkottener Rat hat deshalb 25.000 Euro für ein 1-Euro-Ticket bereitgestellt. Einfach und günstig sollen die Salzkottener für den Bus begeistert werden. In den Folgejahren könnte der Zuschuss dann sinken.

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In Lichtenau ist sogar ein gänzlich kostenfreier Nahverkehr im Rahmen des Bürgerbusses geplant. Ideen, die die Probst & Consorten Marketing Beratung aus Dresden kritisch sieht. Sie präsentierte im Kreishaus vor Politikern und Gästen Beispiele von aus ihrer Sicht gelungener Verkehrsplanung. Attraktive Monatskarten statt billiger Einzeltickets sollen Fahrgäste langfristig an den Bus binden. Diskutiert wird dabei das üppig bezuschusste 365-Euro-Ticket aus Wien, mit dem Bürger ein Jahr lang Bus und Bahn fahren können.

„In einer Großstadt wie Wien mag das funktionieren. Im ländlichen Raum hat jeder ein Auto in der Garage stehen und wird sich nicht ohne weiteres langfristig binden“, so Wester dazu.

Dazu kommt ein rechtliches Problem: Die Tarifhoheit liegt im NR-Land bei den Busunternehmen. Die Bezuschussung von Tickets wäre eine unerlaubte Beihilfe. Wie sich das Problem lösen lässt, wo im NR-Land Busse fahren und wie andere den Nahverkehr bezuschussen, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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