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Foto: Franz Purucker
Weihnachtsbaumkönigin Laura Stegemann (links) reiste extra ins Sauerland, um den ersten Baum zu schlagen. Gemeinsam mit dem Züchter Hendrik Sauer und dem Verbandsvorsitzenden Eberhard Hennecke wurde die Saison eröffnet. Auch im NR-Land beginnt die Ernte.
Thema der Woche

Ernte der Weihnachtsbäume beginnt: So liegt der Preis in diesem Jahr

Donnerstag, 25. November 2021 von Franz Purucker

Mit einem Schwertransporter wird der zehn Meter große Weihnachtsbaum für die Vertretung des Landes NRW nach Berlin transportiert. Geschlagen wird der Baum im Revier Böddeken in Bad Wünnenberg – Haaren, wo eine Schulklasse aus dem Kreis Soest und Schüler am Waldheim Büren-Ringelstein den Baum verzieren.
Früher war es üblich, Weihnachtsbäume im Wald zu schlagen.

Heute stammen die meisten Bäume aus Monokulturen, wo die Tannen und Fichten mit Hilfe verschiedenen Korrekturen marktgerecht gestaltet werden.

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Mit Hilfe des THW wird der Weihnachtsbaum für die NRW-Vertretung in Berlin in Bad Wünnenberg-Haare geschlagen und abtransportiert. Foto: Jan Preller

Hubertus Wibberg, Geschäftsführer des gleichnamigen Maschinenbauunternehmens in Geseke, geht einen anderen Weg. Als vor sechs Jahren unweit seines Wohnhauses eine Tannenbaumschonung zum Verkauf steht, kauft der 50-Jährige die Anlage. Rund 10.000 Bäume umfasst die ein Hektar große Fläche.
Wir verkaufen naturgewachsene Bäume“

Wichtig für ihn: „Wir verkaufen naturgewachsene Bäume ohne Korrekturen oder Beschnitt.“ Doppelte Spitzen und kurze Stämme nehmen die Kunden in Kauf. Damit liegt Hubertus Wibberg im bundesweiten Trend. „Die Kunden interessieren sich immer öfter für die Herkunft, die Regionalität und Biodiversität“, sagt auch Eberhard Hennecke, Vorsitzender der Fachgruppe Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger im Landesverband Gartenbau NRW.
Um ein Abbrechen der Spitzen zu vermeiden, lässt Wibberg bewusst größere Bäume in der Nähe stehen, die die Vögel als Landeplätze nutzen können.

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Antonia Wibberg (von links) mit einem zwei Jahre alten ganz kleinen Baum, Birgit Wibberg mit einer sechs Jahre alte Tanne, Jan Ignaz Wibberg und Hubertus Wibberg vermessen einen etwa sechs Meter großen Weihnachtsbaum in ihrer Tannenbaumschonung in Geseke. Foto: Franz Purucker

Selbst auf das Mähen verzichtet der Betrieb. „Wir haben Shropshire-Schaf, die von März bis November auf den Flächen grasen“, erklärt der Besitzer. Die aus den USA stammende Rasse beweidet die Flächen zuverlässig, ohne sich an den Trieben der Koniferen zu verbeißen oder die Rinde zu schälen.

Die Shropshire-Schaf ersetzen den Rasenmäher in der Tannenbaumschonung von Hubertus Wibberg in Geseke. Foto: privat

Die Tierart wird als „potenziell gefährdet“ eingestuft. Die Tochter des Inhabers, die Zwölfjährige Antonia Wibberg und ihre Mutter Birgit Wibberg, kümmern sich liebevoll um die Tiere, während sein Sohn Jan Ignaz Wibberg in Regel beim Schlagen hilft.

Die Bäume auf Wibbergs kleinem Wald wachsen etwas länger als auf den gedüngten Monokultur-Plantagen großer Anbaubetriebe: Ein zwei Meter hoher Baum braucht hier etwa 15 Jahre.

Auf ein Bio- oder Öko-Zertifikat verzichtet die Familie aus finanziellen Gründen, obwohl ihm Nachhaltigkeit stark am Herzen liegt. So wird für jeden geschlagenen Baum vom Käufer direkt ein neuer gepflanzt. Die alten Wurzeln bleiben in der Erde.

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Die meisten seiner Kunden schlagen ihre Bäume selbst und machen daraus ein regelrechtes Familienevent. In den letzten Jahren stellte der SGV Geseke zusätzlich Getränke und Speisen zur Verfügung. Schon im vergangenen Jahr fiel das Event wegen Corona aus.

Dieses Jahr wird auch weitgehend auf den Verkauf verzichtet. Gründe sind neben Corona auch die Verlegung von Glasfaserkabeln im Bereich Brenker Straße, was die Anfahrt massiv erschwert.
Bedient wurden nur große Kunden wie die Stadt Geseke und verschiedene Kirchgemeinden, die sich für größere und entsprechend ältere Bäume interessieren.

Die meisten anderen Weihnachtsbaumverkäufer holen ihre Bäume aus dem Sauerland, wobei das Interesse nachlässt. Ein Bürener Züchter, der namentlich nicht in der Zeitung erwähnt werden möchte, sagte: „Der Großhandel macht uns mit Dumpingpreisen das Geschäft kaputt und meine Kinder wollen den Betrieb nicht übernehmen.“ Der 72-Jährige will seine zehn bis zwölf Hektar große Fläche nun nach und nach abverkaufen.

Auch in der Weihnachtsbaumbranche setzt sich der Trend der immer größeren Betriebe durch, die letztlich auch Discounter und Baumärkte beliefern. Anderseits haben auch kleine Anbieter wie die Familie Wibberg mit der Öko-Nische gute Chancen.

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