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Weil der Billig-Stromanbieter gekündigt hat, verdreifachen sich für manche Haushalte gerade die Kosten für den Stromverbrauch.
NR-Land

Energiediscounter schmeißen Kunden raus: Was Betroffene nun tun können

Sonntag, 9. Januar 2022 von Franz Purucker

Wer in Vergleichsportalen aktuell einen neuen Strom- oder Gasanbieter sucht, bekommt teilweise regelrechte Mondpreise angeboten. Der Anbieter Fair-Fuxx zum Beispiel verlangt 17 Euro pro Monat als Grundpreis und bietet den Strom für 1 Euro je Kilowattstunde an. Aber selbst die billigsten Angebote sind noch teuer – das günstigste liegt bei 47 Cent pro Kilowattstunde. Vor ein paar Monaten war ein Preis über 30 Cent bereits teuer.

Der Grund: Die Strompreise an der Börse spielen verrückt und steigen zeitweise auf über 1,20 Euro je Kilowattstunde.

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Große Strom-Discounter wie Stromio und Grünwelt haben die Belieferung ihrer Kunden deshalb eingestellt. 38 Energielieferanten (ohne Stromio) haben bei der Bundesnetzagentur die Beendigung der Belieferung ihrer Kunden angezeigt, darunter allein 28 reine Stromversorger. Einige davon wie Neckermann-Strom und Otima Energie sind insolvent. 

Wer von seinem Anbieter gekündigt wird, fällt zunächst in die „Ersatzversorgung“ des Anbieters mit den meisten Kunden in der Region. Dies betrifft aktuell bundesweit Hunderttausende Haushalte.  

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Im NR-Land ist das Eon. „Diese Anbieter müssen den Strom aber ebenfalls teuer an der Böse einkaufen“, erklärt Christina Wallraf von der Verbraucherschutzzentrale NRW: „Deshalb setzten auch diese Anbieter auf hohe Preise, womöglich zur Abschreckung.“

Spitzenreiter ist die NEW Energie in Mönchengladbach mit 99 Cent je Kilowattstunde, die Stadtwerke Soest und  Gütersloh verlangen 92 Cent. Vor der Energiekrise lagen die Preise unter 30 Cent pro Kilowattstunde. In manchen Haushalten verdreifachen sich die Stromkosten also – was nicht allen sofort sein dürfte. 

In Büren, Salzkotten, Geseke und Bad Wünnenberg bietet Eon aktuell noch einen sehr günstigen Grundversorgungstarif an: Strom kostet rund 31 Cent, Gas rund 8,6 Cent (kleine Unterschiede je nach Wohnort und Verbrauch). 

Wer regulär Neukunde bei dem Konzern wird, erhält zwar Ökostrom, zahlt aber mit 60 Cent fast doppelt so viel pro Kilowattstunde. Gas wird aktuell nur als Öko-Gas für 28 Cent angeboten. Wer in der Ersatzversorgung Vertragsangebote von Eon erhält, sollten diese gut prüfen.

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Kunden von Stromio empfiehlt die Verbraucherzentrale gegen ihren Anbieter vorzugehen. „Der Anbieter hat seine Vertragspflichten nicht erfüllt“, so Christina Wallraf. Betroffene können Schadensersatz fordern. Die Verbraucherzentrale bietet dafür einen Musterbrief an.

Die Hintergründe des Lieferstopps liegen im Dunkeln. Hat sich der Energiediscounter sich schlicht verzockt oder verkauft dieser seinen Strom nun selbst zu hohen Preisen an der Börse?

Für Kunden von insolventen Stromanbietern lohnt es sich vorerst in der Grundversorgung zu bleiben, außer sie finden eine günstige Alternative – doch die sind rar.

Viele lokale Anbieter wie Paderenergy, die Stadtwerke Geseke und die Stadtwerke Paderborn haben ihren Vertrieb gestoppt. 

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Die Stadtwerke Geseke vermarkteten im Dezember für etwa eine Woche wieder Strom und Gas, „dann gingen die Preise an der Börse wieder ungebremst in die Höhe“, so Geschäftsführer Hans-Jürgen Kayser. 

Viele Kunden haben in dieser Woche einen Stromvertrag zu günstige 29,19 Cent und Gas für 11,28 Cent abgeschlossen. Preise, von denen Kunden aktuell nur träumen können. Vor ein paar Monaten galt das hingegen noch als teuer. 

Interessenten können sich aktuell auf eine Warteliste eintragen lassen. Die Nachfrage ist riesig. Bis dahin sollten Kunden in der Grundversorgung der Eon bleiben, um schnell wechseln zu können, empfiehlt Kayser.

Einziger Anbieter in der Region, der aktuell noch Kunden aufnimmt, ist Westfalen Wind aus Lichtenau. Vorteil des Unternehmens ist die eigene Produktion aus Windrädern und Fotovoltaikanlagen. „Den Strom aus Altanlagen ohne EEG-Förderung können wir direkt vermarkten“, erklärt Sprecherin Sonya Harrison auf NR-Anfrage. Der Preis liegt bei knapp 30 Cent je Kilowattstunde. (Franz Purucker)

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