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Foto: Geseker Tafel
Gemüse, Babynahrung, haltbare Lebensmittel und vieles mehr gibt es im Laden der Tafel in der Lüdischen Straße 21. Ehrenamtlich im Verkauf engagieren sich Clementine Arens (links) und Gisela Sonntag.
Geseke

Ein runder Geburtstag – aber kein Grund zum Feiern

Freitag, 6. März 2020 von Heike Tebbe

Die Geseker Tafel der Caritas wird zehn Jahre alt. Das ist ein kleines Jubiläum, aber alles andere als ein Grund zum Feiern. Denn die Tatsache, dass Einrichtungen wie die Tafeln überhaupt benötigt werden, stimmt eher traurig. 

Auch Willi Pieper, der neben der Geseker Tafel auch die Lippstädter Tafel leitet, blickt dem runden Geburtstag mit gemischten Gefühlen entgegen. Da er die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen jedoch nicht ändern kann, fokussiert er sich lieber auf die Hilfe, die sein engagiertes Team aus Ehrenamtlichen Woche für Woche anbietet.

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„Die Tafel ist in Geseke fest verwurzelt“, erklärt Willi Pieper. Die Hilfsbereitschaft ist groß, der Bedarf allerdings auch. Jede Woche sind bis zu 60 Haushalte zu verpflegen; das entspricht 150 bis 200 Personen. Das macht zwei Öffnungstage pro Woche in dem Laden in der Lüdischen Straße 21 erforderlich: mittwochs und freitags. Allerdings darf jeder Kunde nur einmal pro Woche dort einkaufen.

Praktizierte Nachhaltigkeit 

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Für ihr Engagement erhalten die Ehrenamtlichen aus dem Verkauf viel positive Resonanz.  Aber auch das gute Gefühl, Menschen zu helfen, ist eine starke Motivation für die Helfer. Und dann wäre da noch der Nachhaltigkeitsgedanke. Die meisten sehen ihr Tafel-Engagement als einen bescheidenen Beitrag, wertschätzender mit Nahrungsmitteln umzugehen. „Es gibt ein gutes Gefühl, wenn man noch gute Lebensmittel vor der Tonne retten und sie Bedürftigen in unserer Gesellschaft zugänglich machen kann“, sagt Willi Pieper.

Der Leiter der Tafel kennt viele Schicksale: Da wäre zum Beispiel die alte Dame mit 850 Euro Rente. „Ich zahle doch schon allein 400 Euro Miete. Da bleibt doch nichts übrig“, hatte sie Willi Pieper traurig erzählt. 

Kunden zahlen rund zehn Prozent

In solchen und ähnlichen Fällen helfen die Tafeln, Not zu lindern. Rund zehn Prozent des normalen Verkaufspreises müssen die Kunden in der Geseker Tafel bezahlen. „Wir wollen nicht, dass Kunden bei uns Waren im Überfluss kaufen. Nahrungsmittel haben einen Wert. Auch das wollen wir abbilden. Aber einige Artikel verschenken wir auch“, erklärt Willi Pieper. 

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Übrigens gilt das Prinzip: was weg ist, ist weg. Anders als im Supermarkt, werden bei der Tafel die Regale nicht ständig wieder aufgefüllt. Und eingekauft wird schön der Reihe nach – die jedes Mal neu ausgelost wird. Bevor die Geseker Tafel ihre Türen öffnet, müssen alle Einkaufsberechtigten eine Nummer ziehen  und dann warten, bis diese aufgerufen wird. 

Schöner Einkaufen sieht anders aus, aber manchmal ist Sattwerden einfach wichtiger.

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