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Ein abgestürztes Flugzeug als historische Aufnahme aus Zeiten des zweiten Weltkrieges.
Für die Hegensdorfer Dorfjugend (vorne Fritz Niedernhöfer-Heneken, damals 17 Jahre, und hinten Johannes Spenner, damals 16 Jahre) war das Wrack der amerikanischen Militärmaschine eine Fundgrube und ein interessanter Spielplatz.
Büren

Dieser Flugzeugabsturz versetzt ein ganzes Dorf in Aufregung

Freitag, 28. August 2020 von Johannes Büttner

Die Geschichte ist fast in Vergessenheit geraten: Innerhalb von vier Wochen sorgten zwei Flugzeuglandungen in den Hegensdorfer Feldern in den letzten Kriegstagen für Aufregung in der Bevölkerung. Zu den wenigen Menschen, die sich noch an diese spektakulären Ereignisse erinnern, gehört Heinz Lummer aus Hegensdorf.

Der begeisterte Heimatforscher hat sich in den vergangenen Monaten an die Arbeit gemacht, um diese Geschichten wieder ans Tageslicht zu holen. Als damals Fünfjähriger erinnert sich Heinz Lummer zwar nur schwach an Details, weiß aber noch genau, dass eine Sprengbombe eine Hegensdorfer Scheune zerstörte und dass ein Flugzeug in der Feldflur lag. 

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Es war Ende März, Anfang April 1945, als ein deutsches  Flugzeug vom Typ JU 52 zwischen Hegensdorf und Vollbrexen landete. Der 19-jährige deutsche Oberfeldwebel Heinrich Günther brachte das Flugzeug nicht nur sicher und unverletzt zu Boden, er landete auch nicht weit entfernt von seinem Heimatdorf Fürstenberg. 

Heinz Lummer mit seinem Enkel Simon in der Hegensdorfer Feldflur, wo 1945 die beiden Flugzeuge landeten. Während die Mustang „Im Klei“ landete, brachte der Fürstenberger Heinrich Günther seine JU 52 nahe der Bürener Gemarkung zum Boden. Foto: Büttner

Riskanter Flug in die Heimat

Nach Aussage seiner Tochter Waltraud sei der Vater auf einem Ausbildungsstützpunkt auf Rügen stationiert gewesen. Auf dem Fliegerhorst seien zum Kriegsende nur noch drei einsatzfähige Maschinen gewesen. Mit zwei Maschinen hätten  sich ranghohe Vorgesetzte nach Norwegen abgesetzt. Mit der dritten Maschine habe ihr Vater den Flug in die Heimat riskiert. 

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Nach der glücklichen Landung sei der junge Pilot zu seinem neun Kilometer entfernten Heimatdorf Fürstenberg gelaufen. Dort habe er sich den Amerikanern gestellt, die ihn daraufhin für einige Tage im Obstkeller des Schlosses des Grafen von Westphalen in Haft setzten, bevor er wieder entlassen wurde.

Nach dem Krieg war Heinrich Günther zunächst Chauffeur beim Grafen von Westphalen in Meschede, zog dann später nach Witten, wo er bei der Bundesbahn tätig war. Gestorben ist Heinrich Günter 1987. 

 Gardinen aus Fallschirmstoff

Die JU 52 wurde zunächst von den Amerikanern beschlagnahmt. Die Motoren wurden ausgebaut und der Rest blieb, zur Freude der Kinder, auf dem Feld liegen. Die Erwachsenen wiederum betrachteten den Flieger als Rohstofflieferanten. Und so gab es in der folgenden Zeit in Fürstenberg Dacheindeckungen aus Wellblech und Gardinen aus Fallschirmstoffen. Ein findiger Bauer hatte ein Aluminiumrohr sogar als Deichsel für sein Kuhgespann umgebaut. Und die Dorfjungen freuten sich über das Schlauchboot,  das als Rettungsboot im Flieger war.  

Pilot täuschte seinen Tod vor

Vier Wochen nach der Junkers 52 ging ein weiteres Flugzeug in Hegensdorf zu Boden. Ein amerikanisches Jagdflugzeug vom Typ Mustang P51 war nach einem Einsatz manövrierunfähig geworden und musste, zunächst unbemerkt von der Bevölkerung, im Flurstück „Im Klei“ notlanden. 

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Der Bürener Hans-Walter Grundmann hatte sich vor neun Jahren bereits mit diesem  Ereignis beschäftigt. Er nahm Kontakt mit dem National Archiv Washington DC auf, wo Berichte über amerikanische Luftwaffeneinsätze aufbewahrt werden. 

Abenteuerliche Rettung

Daraus geht hervor, dass der Pilot Harry Ziegler mit seinem Geschwader am 3. März 1945 einen Luftkampf bei Magdeburg  lieferte. Die Maschine von Oberleutnant Ziegler wurde dabei beschädigt. Der 23-jährige Pilot vereinbarte mit seinem Kollegen, eine Huckepack- Rettung durchzuführen. Beide Maschinen sollten auf einer Autostraße landen und Ziegler dann in die Maschine des Freundes umsteigen. Auf dem Schoß des Freundes sollte es dann nach England gehen. 

Doch in Hegensdorf war Schluss. Ziegler musste runter, kam heil zu Boden und setzte seine Maschine mit einer Granate in Brand, um seinen Tod vorzutäuschen und nicht den Deutschen in die Hände zu fallen. Er versteckte sich anschließend im Wald und vergrub seine Fliegerausrüstung. Am späten Nachmittag wurde er trotz allem entdeckt und nach Frankfurt gebracht, wo er bis zur Befreiung dreieinhalb Monate in einem Kriegsgefangenenlager inhaftiert war. 

Harry Ziegler starb 2004 in Pennsylvania.

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