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Foto: Franz Purucker
Die Nöltingstraße in Geseke ist nur wenige hundert Meter lang und erinnert - wie auch in vielen anderen Städten - vermutlich an Emile Nölting. Der „ehrenhafte Kaufmann“, wie dieser gerne bezeichnet wird, machte sein Vermögen aber mit Sklavenhandel auf Haiti, weshalb die Benennung der Straße vom Projekt Tearthisdown kritisiert wird.
Thema der Woche

Diese Straßennamen mit belasteter Vergangenheit gibt es im NR-Land

Sonntag, 9. August 2020 von Franz Purucker

Straßen und Plätze mit den Namen des Diktators und Kriegsverbrechers Adolf-Hitler gab es in fast allen Städten des NR-Landes.
In Geseke gab es bis 1945 einen Adolf-Hitler-Platz, der heute Marktplatz heißt. Aus dem Hindenburgplatz in Erinnerung an Reichspräsident Paul von Hindenburg, der unter anderem Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte, wurde 1945 die Straße „Am Teich“.

Etwas länger existierte die Von-Papen-Straße, die auf Franz von Papen, Reichskanzler und späterer Botschafter in Wien sowie führendes Mitglied der NSDAP, zurückgeht. Von Papen wurde bei den Nürnberger Prozessen zunächst freigesprochen und in einem Revisionsverfahren erst 1947 zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt. 1958 wurde die Straße in Cranestraße umbenannt.

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Die Existenz der „Adolf-Hitler-Straße“ in Büren ist nicht ganz gesichert, führt aber wohl über die Nikolausstraße, den Markt und die Königsstraße. Gesichert ist hingegen die Vom-Rath-Straße in Büren, die den Nazi Rath vom Ernst ehrte und 1945 zur Detmarstraße wurde.

In Salzkotten trug ein Teil der heutigen Wewelsburger Straße den Namen Hitlers. Bis 1945 existierte außerdem die Hermann-Göring-Straße, die heute „Von Sobbe-Straße“ heißt. Möglich, dass damit Agnes von Sobbe geehrt werden soll, die die erste deutsche Oberstudienrätin und Abiturientin im damaligen Land Lippe war. Von Sobbe hießen aber auch mehrere preußische Majore.

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Nur Bad Wünnenberg hatte keine Straßen mit Nazi-Bezug.
Auch im NR-Land werden mit Straßennamen noch Personen geehrt, die zumindest zweifelhaft in Erscheinung getreten sind. Das Projekt Tearthisdown, welches die deutsche Kolonialvergangenheit offenlegen will, kritisiert in Geseke die „Nöltingstraße“, die nur wenige hundert Meter lang ist und in der Kernstadt liegt.

Auch in Hamburg haben sich Historiker mit dieser Straße beschäftigt, die wohl auf Emile Nölting zurückgeht, einen Kaufmann und Banker, der von 1812 bis 1899 lebte. Anstoß der Kritik: Seinen Reichtum hat der in Hamburg aufgewachsene Mann dem Sklavenhandel zu verdanken, mit dessen Hilfe er Kolonialwaren wie Zucker, Baumwolle, Kaffee, Tabak und Sisal nach Hamburg schiffte.

In Salzkotten existiert eine Agnes-Miegel-Straße, die auf eine von den Nazis bejubelte Schriftstellerin zurückgeht, die unter anderem den Polenfeldzug guthieß und Werke schrieb, die die NS-Vererbungs- und Rassenideologie unterstrichen. Während die sowjetische Besatzungszone ihre Werke auf die Liste „auszusondernden Literatur“ setzte, wurde sie in der jungen Bundesrepublik für neuere Werke geehrt. Erst 1990 wurde ihre Literatur kritisiert und zahlreiche nach ihr benannte Schulen und Straßen wurden umbenannt, in Salzkotten jedoch nicht.

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