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Der Schreck ist groß, wenn sich herausstellt, dass man einem dreisten Trickbetrüger aufgesessen ist (Symbolfoto).
NR-Land

Die perfiden Maschen der Telefonbetrüger 

Sonntag, 3. Juli 2022 von NR Redaktion

Ein Blick in die Polizeiberichte der letzten Tage zeigt, mit welch gemeinen und ausgefeilten Methoden die Betrüger arbeiten. Da wurden einer 78-Jährigen 20.000 Euro abgeknöpft mit einer hanebüchenen Story über einen fiktiven Überfall in der Nachbarschaft, einen verdächtigen Bankmitarbeiter und angebliche Fingerabdrücke auf Banknoten, die diesen überführen sollten. 

In einem ganz anders gearteten Fall im Kreis Soest wurde einem älteren Ehepaar vorgegaukelt, ihre Tochter habe ein schwangere Frau angefahren und könne nur gegen eine Kaution von 200.000 Euro in bar, Goldbarren oder Schmuck  auf freien Fuß gesetzt werden – im Hintergrund das Schluchzen einer Frau, die das Ehepaar als ihre Tochter identifizierte. 

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Michael Biermann und seine Kollegen kennen solche Tricks zur Genüge. „Die Täter ködern ihre Opfer mit vermeintlich persönlichen Informationen. Das können die Namen von Verwandten sein oder der Kontostand oder das Geldinstitut, bei dem die Konten geführt werden.“ 

Woher diese Informationen stammen? „Teilweise sind die Betroffenen so aufgeregt, dass sie im Telefonat unbewusst etwas preisgeben. Aber wir vermuten auch, dass manche Daten aus irgendwelchen Listen im Darknet stammen, oder aus gehackten Onlinekonten.“ Manchmal aber auch ganz einfach aus dem guten alten Telefonbuch: Vierstellige Nummern deuten auf einen „alten“ Anschluss mit betagten Teilnehmern hin, ebenso wie traditionelle Vornamen. 

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Die Methoden der Telefonbetrüger sind so raffiniert und ausgeklügelt, dass sie für die Polizei nicht einfach nachzuvollziehen sind. „Wir arbeiten mit dem Landeskriminalamt und dem Bundeskriminalamt zusammen. Unsere Erkenntnisse werden weitergegeben und gebündelt. Es fliegt immer mal wieder eine Bande auf und wird auch verurteilt. Oder es gelingt die Festnahme eines Geldboten – aber das sind kleine Fische, die oft gar nichts wissen. Die eigentlichen Drahtzieher können in der ganzen Welt sitzen“, so Biermann.

Die Ermittlungen seien auch deshalb so schwierig, weil die Betroffenen oft von den manchmal stundenlangen Telefonaten und verwirrenden Rollenspielen mit den angeblichen Bankmitarbeitern oder Polizeibeamten so durcheinander sind, dass sie keine eindeutige Aussage mehr machen können. 

Eine fiese Masche also, die Telefonbetrügereien, und leider immer wieder erfolgreich, insbesondere bei älteren Menschen. 

Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Man kann sich schützen. Niemand muss sich von den fingierten Anrufen aufs Glatteis führen lassen, ebenso wenig wie von falschen Nachrichten, die per WhatsApp, SMS oder E-Mail verbreitet werden. „Ganz wichtig sind die Angehörigen. Sie sollten immer mal wieder mit ihren älteren Verwandten über diese Gefahren sprechen und sie sensibilisieren“, sagt Michael Biermann. 

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Sein kurzer, knapper Tipp: „Schon zwei Sätze am Telefon können zu viel sein. Deshalb: Wenn ein Unbekannter anruft: einfach auflegen!“

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