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Foto: Andreas Trepte, www.avi-fauna.info
Ein junger Weißstorch bei der Nahrungssuche auf einer Wiese. Lange Zeit war das Tier im NR-Land komplett verschwunden.
NR-Land

Der Klapperstorch ist wieder da

Samstag, 7. August 2021 von Franz Purucker

Im Zuge der Industrialisierung hatten auch die Störche stark gelitten. Durch die Trockenlegung von Feuchtgebieten und die Umwandlung von Wiesen in Felder ging die Population stark zurück, lediglich Restbestände überlebten. Die für lange Zeit letzte Weißstorch-Brut im Kreis Paderborn wurde 1954 festgestellt, und zwar an der Lippe in Mantinghausen. Danach war er als Brutvogel lange Zeit verschwunden, lediglich einige Durchzügler sorgten aufgrund ihrer Seltenheit für Aufsehen.

Überraschend brüteten im Jahr 2007 wieder drei Weißstorch-Paare im Kreis Paderborn. Seither hat sich der Bestand kontinuierlich vermehrt. „In diesem Jahr siedeln im Kreis Paderborn 70 Brutpaare, die  meisten davon, nämlich 34, in Salzkotten“, berichtet Dr. Gerhard Lakmann von der Biologischen Station Paderborn-Senne, der selbst eine Bestandsaufnahme durchgeführt hat. Die Tiere sind vor allem in den Ortsteilen Verne, Verlar und Thüle zu finden. 

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Diese Feuchtwiesengebiete im Nordwesten von Salzkotten bieten ideale Lebensgrundlagen für den Vogel. Zum Überwintern fliegt der Storch heute nicht mehr bis Afrika, sondern nur noch nach Spanien. Dort findet er auf nicht abgedeckten Müllkippen Nahrung und kommt so gut durch den Winter, bevor er wieder in seine deutschen Siedlungsgebiete zurückkehrt.

Fotografen stören Brut

Eine ähnliche Entwicklung gab es auch beim Schwarzstorch. „Der war zeitweise fast ausgestorben“, berichtet Karsten Schnell, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Biologischen Station. Seit den 80er Jahren ist der Schwarzstorch wieder im NR-Land zu finden. Einzelne Paare leben heute im Süden von Büren im Ringelsteiner Wald. 

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Doch: „Die Vögel geben die Brut auf, wenn sie gestört werden.“ In der Vergangenheit sind immer wieder Naturfotografen zu den Brutplätzen gepilgert, was die Tiere empfindlich gestört hat. Deshalb verraten die Förster nicht, wo genau die Tiere nisten.

Weiträumige, intensiv genutzte Argrarlandschaft, soweit das Auge reicht – vor allem Schmetterlingsarten haben es dabei nicht leicht. „Mehrere Arten sind fast verschwunden“, berichtet Karsten Schnell von der Biologischen Station Paderborn-Senne. So wie das  Gemeine Blutströpfchen – ein Schmetterling, dessen Name sein Aussehen gut beschreibt. Auch das Schachbrett und das Ochsenauge zählen dazu. 

„Diese Schmetterlingsarten brauchen mageres Grünland und sind immer dort zu finden, wo die normale Landwirtschaft zurücktritt“, weiß Christian Finke, der sich in der Biologischen Station Paderborn-Senne auf den Raum Büren konzentriert. 

Der Grund für das Zurückdrängen der seltenen Schmetterlinge  liegt in den riesigen landwirtschaftlich genutzten Flächen. Schuld daran trägt auch die EU, die mit ihren Direktzahlungen an die Landwirte genau diese Entwicklung begünstigt hat. Erst seit einigen Jahren werden die Subventionen stärker an Umweltstandards angelehnt, was dazu führt, dass auch heimische Landwirte wieder mehr Blühwiesen aussäen.

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Auch die Turteltaube ist bedroht

Eine Tierart, die ebenfalls dramatisch zurückgeht, ist die Turteltaube, die fast nur noch in Büren und Bad Wünnenberg zu finden ist. Verursacher ist auch hier der Mensch: Während die Tierart in Deutschland auf der Roten Liste steht, wird die Turteltaube in Malta sogar mit offizieller Ausnahmegenehmigung gejagt. Im Frühling werden dort innerhalb weniger Wochen rund 20.000 Turteltauben geschossen, was einem Drittel des deutschen Brutbestands entspricht.

Ein weiterer bedrohter Vogel, der besonders auf den Ackerflächen zwischen Salzkotten und Geseke eine Heimat gefunden hat, ist die Wiesenweihe. Rund 400 Brutpaare gibt es davon nur noch in Deutschland. Im Regionalplan wird die 38 bis 44 Zentimeter große Greifvogelart immer wieder als Grund angeführt, bestimmte Baugebiete nicht zu befürworten. 

„Der Vogel ist sehr selten und brütet auf den Ackerflächen“, berichtet Dr. Gerhard Lakmann: „Ihre Nester baut die Wiesenweihe in Wintergetreidefeldern und in Luzernen.“ Intensiv betriebene Landwirtschaft und verschwundene Brachflächen machen es den Tieren schwer.

Das Vogelschutzgebiet Hellwegbörde, das sich rund um Salzkotten zieht und sich bis nach Unna erstreckt, soll selten gewordene Feldvogelarten schützen. Ziel ist der Erhalt der offenen Feldflur und der Erhalt ungestörter Rastplätze für Vogelarten der Feldflur – so auch für die Wiesenweihe.

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Hilfe durch Beweidung 

Ein ähnliches Ziel verfolgt auch der Verbund Geseke mit der Offenhaltung und Entbuschung der sogenannten Schledden, das sind Trockentäler, deren steile Hänge oft nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden. 

So wurden viele Flächen entlang der Oster- und Westerschledde entbuscht und durch Beweidung mit Rindern und Schafen zu wertvollen Lebensräumen entwickelt. „Dabei sind wertvolle Kalkhalbtrockenrasen und Kalkpionierrasen entstanden“, berichtet Andreas Kämpfer-Lauenstein vom Verbund Geseke.

Steinkauz, Grünspecht, Wiesenpieper und Neuntöter sind auf solche mageren Offenland-Lebensräume angewiesen, da sie offene, gehölzarme Vegetationsbestände benötigen, um Futter zu finden, so Lauenstein: „Diese Flächen sind sehr selten und es profitieren viele Tier- und Pflanzenarten davon.“

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