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Landwirt vor einem Misthaufen
Foto: Franz Purucker
Thema der Woche

Das regt die Landwirte in der Region am meisten auf

Samstag, 7. Dezember 2019 von Franz Purucker

Mitten in der Nacht brach Landwirt Marcus Blome in der vergangenen Woche nach Berlin auf, um bei der Bauerndemo am Brandenburger Tor dabei zu sein. „Das wird die größte Demo, die Merkel je erlebt hat“, hatte er verlauten lassen. Es war ihm eine Herzensangelegenheit, dabei zu sein.

Die Landwirte Wilhelm Brüggemeier (v.l.), Hubertus Beringmeier und Antonius Tillmann vom Bauernverband zeigen symbolisch, dass die heimische Landwirtschaft auszusterben droht.

Denn: Die neue Düngerichtlinie trifft ihn besonders. Er fährt mit seinem Betrieb in Delbrück Dünger auf rund 2.500 Hektar Land aus, hält aktuell 2.500 Schweine und betreibt eine Biogasanlage. Der Mist der Tiere wird nach dem Vergären auf den eigenen Feldern und denen anderer Landwirte ausgebracht. Zumindest noch im Moment.

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„Der Staat greift uns ins Portemonnaie“

Die neue Düngerichtlinie sieht vor, dass auf Flächen, die in besonders nitratbelasteten Bereichen liegen – dazu zählt ein großer Teil des NR-Landes – künftig nur noch 20 Prozent unter dem Bedarf der Pflanze gedüngt werden darf und auf jede Form von Herbiziden verzichtet wird.


Der Delbrücker findet die Schritte überzogen. Schon 2017 wurde die Düngerichtlinie verschärft. Bevor das Gesetz nochmals verschärft wird, sollten seiner Meinung nach erst einmal die Ergebnisse abgewartet werden.
Dabei habe er nichts gegen Umwelt- und Naturschutz und ist auch gerne bereit seinen Anteil zu leisten, allerdings sind die finanziellen Einbußen zu groß. „Der Staat greift uns Landwirten ins Portemonnaie“, schimpft Blome. Wird weniger gedüngt, fällt die Ernte geringer aus.

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Die Schweinemästung hat Landwirt Marcus Blome aus Delbrück bereits aufgegeben.
Foto: Franz Purucker


Außerdem muss der Mist irgendwo hin: Schon heute produziert der Landwirt mehr Dünger, als er selbst verwerten kann, fährt diesen in großen Lkws ins Sauerland – und zwar auf eigene Kosten.


In Zukunft wird er wohl noch mehr Mist übrig haben und entsprechend noch weiter fahren müssen – vermutlich bis nach Ostdeutschland.
Der Vorwurf, die Bauern würden ihren Dünger wild aufs Feld kippen, sei überzogen. „Wir düngen nur so viel, wie die Pflanze an Nährstoffen benötigt.“ Unkräuter müssten bei einem Herbizid-Verbot durch das Umackern entfernt werden, ein immenser Mehraufwand, der in keinem Verhältnis zu den Erträgen stehe, so Blome.

Wie hoch die Nitratbelastung im Grundwasser der Region ist, wo die Bauern die eigentliche Ursache für das Nitratproblem sehen und wie auch internationale Abkommen die Landwirtschaft verändern, lesen Sie in unserem zweiten Beitrag (hier klicken)

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