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Ein startendes Flugzeug mit Thomas Cook Logo.
Foto: Franz Purucker
Anne und Marcel Schwede investierten 4.000 Euro in ihre Flitterwochen. Ist das Geld jetzt weg?
NR-Land

So erlebten Touristen die Thomas Cook-Pleite

Montag, 30. September 2019 von Franz Purucker

Ein Paar aus Delbrück wollte in die Flitterwochen, ein anderer steckte ohne Informationen des Veranstalters in Italien fest.

Vor drei Wochen haben sich Anne und Marcel Schwede in Delbrück das Ja-Wort gegeben. Nun sollte es in die langersehnten Flitterwochen gehen. Knapp 4.000 Euro überwiesen sie an den Reiseveranstalter Neckermann.

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„Das ist ja eine seriöse Firma. Wir haben bewusst keinen Billiganbieter gewählt.“ Am 20. Oktober sollte es losgehen. Nun die Ernüchterung: Der Urlaub fällt aus, weil der Reiseveranstalter pleite ist. Bis einschließlich 30. Oktober haben Thomas Cook sowie deren Tochterunternehmen Bucher Reisen, Öger Tours und Neckermann Reisen alle Reisen storniert. Ob das junge Pärchen ihr Geld zurückbekommt, ist noch offen.

Anne und Marcel Schwede aus Delbrück
Knapp 4.000 Euro investierten das Delbrücker Pärchen Anne und Marcel Schwede in ihre Flitterwoche auf Mauritius. Vor drei Wochen haben sie geheiratet. Ob ihr Urlaub nun stattfindet, wollen sie vom Reiseveranstalter Neckermann wissen. Doch der ist nicht erreichbar. Foto: shutterstock/Privat

Auch Michaela Leykum wollte am 19. Oktober in den Urlaub fliegen: „Wir sind sauer auf Thomas Cook und auch Neckermann. Nicht mal informiert wird man. Telefonisch nur Anrufbeantworter und im Reisebüro kann auch keiner was sagen. Ich habe das Gefühl, noch eben die Urlauber vor den Herbstferien abzocken,weil ja vier Wochen vorher bezahlt werden muss und dann schön Insolvenz anmelden. Wir haben ein Jahr auf diesen Urlaub gespart und nun ist alles Geld weg. Für mich ist das Betrug.“

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Hoteliers drängen Reisende ihren Urlaub noch mal zu bezahlen

Noch härter traf es Heinz Schröder aus Salzkotten, der bereits im Urlaub in Italien war, als die Insolvenz bekannt wurde. „Wir sitzen hier fest. Brauchen Beratung“, schrieb er an die Neue Regionale. Am Samstag sollte es nun nach Hause gehen. Die Forderung des Hotelier, für seinen Aufenthalt erneut zu zahlen, hat der Salzkottener abgelehnt.

Inzwischen hat das Hotel ein Schreiben der Versicherung erhalten und der Rückflug für Montag steht auch fest. Ähnlich ging es Klaus und Corinna Stork aus Büren. Die beiden flogen am Montag nach Las Palmas, gebucht über Neckermann. Trotz Insolvenz klappte der Check-in bei der Airline Tuifly am Düsseldorfer Flughafen unproblematisch.
Aber: Vor Ort sagte die Reiseleiterin dann allerdings, dass die beiden niemals hätten in den Flieger einsteigen dürfen. Es war kein Shuttle organisiert und das Hotel, welches ursprünglich gebucht wurde, hatte von der Thomas Cook-Tochter kein Geld bekommen. Nun müssen die beiden das Hotel erneut zahlen. „Beide sind stinksauer, da sie sich sehr auf den Urlaub gefreut haben“, schreibt Janik Stork, Sohn der Betroffenen, der mit seinen Eltern in Kontakt steht.

Eine Reisende aus Geseke schrieb der Redaktion, dass sie trotz Stornierung ihrer ursprünglich gebuchten Reise nun doch fliegt. Sie hatte in einem Geseker Reisebüro eine Thomas Cook Reise nach Mallorca gebucht, die nun storniert wurde. Sie hat nun kurzfristig eine Reise über TUI gebucht.

Auch für die Familie von Regina Mönning fällt der Urlaub in den Herbstferien aus. Sie hatte für 3.100 Euro eine Woche Fuerteventura gebucht und überwiesen. „Das Geld ist wohl weg“, so die Delbrückerin. Beim Reiseveranstalter Bucher Reisen kommt sie nicht durch. „Die Kinder sind seit zehn Jahren nicht geflogen und hatten sich so gefreut.“ Sie hofft auf die Insolvenzversicherung, doch dort kann sie niemanden erreichen.

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Wie betroffene Reisende jetzt an ihr Geld kommen, ob das an Hoteliers im Ausland gezahlte Geld verloren ist und wie eine Insolvenz abläuft, erklärt Rechtsanwalt Christopher Schüngel von der Kanzlei Cramer & Laws auf der nächsten Seite.

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