arrow_back
Foto: Pottkamp / WLV (Hintergrund)
Das anfallende Stroh von der Getreideernte wird in Rundballen gepresst, nachdem das Korn geerntet wurde. Es wird als Futter und Einstreu für die Tiere verwendet. Im Vordergrund: Hubertus Beringmeier, Bauernpräsident und Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Paderborn.
NR-Land

Bilanz der Bauern: Auch die Landwirtschaft leidet unter den Corona-Folgen

Sonntag, 9. Januar 2022 von NR Redaktion

Gestiegene Kosten für Energie, Futter und Dünger, desaströse Schweinepreise, der Wandel in der Tierhaltung und die Hoffnung auf neue Perspektiven durch die Politik: Das sind die Themen, welche die heimische Landwirtschaft zu Beginn des neuen Jahres besonders beschäftigen. 

Auch die Bauern haben im vergangenen Jahr die Auswirkungen der Pandemie zu spüren bekommen. „Durch Corona sind die Märkte extrem durchgeschüttelt worden, mit Licht und Schatten“, so Hubertus Beringmeier, Bauernpräsident und Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Paderborn in seinem Jahresrückblick. Im Detail fasst Beringmeier das letzte Jahr so zusammen:

Anzeige

Das Wetter: etwas „normaler“

Durch den Regen im Frühling ist die Grasernte erfreulich gut ausgefallen. Bei Getreide und Raps sind die Bauern mit den Erträgen zufrieden. Bei den Herbstfrüchten wie Kartoffeln fiel die Ernte durchschnittlich, beim Mais gut aus. Bei den Zuckerrüben sind die Erträge gut bis durchschnittlich, allerdings – durch weniger Sonne – mit geringeren Zuckergehalten als im Vorjahr. 

Die Milchpreise: Nicht zufriedenstellend

Für die Ackerbauern erfreulich sind die deutlich gestiegenen Getreidepreise. Auch beim Rindfleisch sind die Erzeugerpreise nach schwierigen Jahren derzeit auskömmlich. Anders bei den Milcherzeugern: Dort sind die Preise nach wie vor aus Sicht der Landwirte nicht zufriedenstellend. Auch beim Geflügelfleisch sieht es, so Beringmeier, „nur mittelprächtig“ aus.

Anzeige

Schweinezucht: Niedrige Preise, hohe Auflagen

Die Schweinebauern haben seit Monaten zu kämpfen. „Niedrige Preise, verbunden mit stetig steigenden Anforderungen und Auflagen sowie unklaren politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen, nehmen vielfach den Bauernfamilien die Zukunftsperspektiven“, beklagt Beringmeier die Lage. Es brauche unter anderem ein Bekenntnis, dass sich Verarbeiter, Handel und Großverbraucher auf eine deutsche Herkunftssicherung mit einer „5 Mal D- Kennzeichnung“ einigen: Geboren, aufgezogen, gemästet, geschlachtet und verarbeitet in Deutschland. 

Landwirtschaft vor großem Wandel

„Wenn die Politik eine Lebensmittelerzeugung und Landwirtschaft in Deutschland erhalten möchte, muss sie jetzt endlich Perspektiven aufzeigen und klar danach handeln“, fordert Beringmeier. Es brauche Planungssicherheit, eine langfristige Finanzierung und eine Genehmigungsfähigkeit durch ein Bau- und Umweltrecht, das Ställe mit mehr Tierwohl ermögliche, so der  heimische Bauernpräsident. 

Er ist überzeugt, dass in Deutschland weiterhin eine Tierhaltung wichtig sei. Denn: Erst Tierhaltung mache nicht essbare Biomasse für den Menschen nutzbar. „Auf unseren Feldern können wir nicht nur Brotgetreide anbauen“, erklärt der Vorsitzende. Eine nachhaltige Fruchtfolge bestehe zudem aus Ackerfrüchten wie Mais, Wintergerste oder Triticale (Kreuzung aus Roggen und Weizen). 

Was nicht für die menschliche Ernährung zu verwerten sei, wandere in den Futtertrog.  „Daraus machen unsere Tiere hochwertige Nahrungsmittel“, so der Vorsitzende. 

Anzeige

Bauern hoffen auf Gesprächsbereitschaft

Mit Blick auf die neue Bundesregierung erhofft sich der Berufsstand Gesprächsbereitschaft. „Gerade unsere jungen Landwirte brauchen Perspektiven, um Tierhaltung und Ackerbau in Deutschland zu halten“, sagt Beringmeier. Alles andere sei auch hier nicht nachhaltig. Denn mit jedem Hof gehe sonst ein Stück Artenvielfalt und Tradition verloren.

AGB Impressum Datenschutz Kontakt
close
In die Zwischenablage Instagram Whatsapp E-Mail