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Ein Betrüger mit einer Maske.
Foto: Pixabay (Symbolfoto)
Die Betrüger führen einen Stromanbieterwechsel durch und profitieren von der Provision.
NR-Land

Betrüger geben sich als Stadtwerke aus und machen angeblich Strom günstiger

Samstag, 17. Juli 2021 von Franz Purucker

„Sie zahlen künftig 10 Euro weniger für den Strom, Ihre Zählernummer bitte“, sagt eine junge Frau am Telefon, als sie bei Ernst M. aus Salzkotten anruft und sich dabei als lokales Stadtwerk ausgibt. M. ist seit Jahren Kunde eines regionalen Stromversorgers. Ihm kommt der Anruf verdächtig vor. Er legt auf – geht nicht auf das Angebot ein.

„Der Herr hat genau richtig reagiert“, so Hans-Jürgen Kayser, Geschäftsführer der Stadtwerken Geseke: „Diese Masche gibt es seit einigen Jahren.“ Aber worauf wollen die Betrüger hinaus?

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Mit der Zählernummer melden die Betrüger einen neuen Stromvertrag bei einem anderen Anbieter an und kassieren dafür eine Provision. Gut möglich, dass der neue Anbieter gar nicht weiß, dass der Vertrag auf so perfide Weise zustande gekommen ist.

Der Kunde merkt von dem Wechsel erst dann etwas, wenn entweder der Verteilnetzbetreiber – also Westnetz (Geseke, Büren und Verne) oder die Westfalen-Weser-Energie (Salzkotten und Bad Wünnenberg) nach dem Zählerstand wegen „Versorgerwechsel“ fragt oder der bisherige Anbieter die Kündigung bestätigt.

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„Kündigungen kommen bei uns so selten vor, dass wir jeden anrufen, von dem wir die Kündigung erhalten“, so Kayser, der versichert, betroffenen Kunden in solchen Fällen zu helfen. „Da legen wir uns notfalls auch mit dem neuen Anbieter an.“

Wer auf die Betrüger reingefallen ist, kann den Vertrag zunächst 14 Tage lang mit Verweis auf Paragraf 312c des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) widerrufen, da es sich um einen Fernabsatzvertrag (per Telefon geschlossen) handelt.
Aber auch danach ist die Sache nicht aussichtslos: Gemäß Paragraf 123 BGB können Verträge, die unter „arglistiger Täuschung“ zustande kommen, angefochten werden. Auch dies muss schriftlich gesehen und sofort passieren, wenn die Täuschung auffällt. Betroffene sollten unbedingt schriftlich per Einschreiben oder Fax kommunizieren, um ihr Schreiben gegebenenfalls nachweisen zu können.

Oft stimmt das Versprechen der Betrüger sogar auf den ersten Blick, da nun tatsächlich 10 Euro weniger pro Monat abgebucht werden.

Bei der monatlichen Abbuchung handelt es sich aber lediglich um einen Abschlag – also eine Vorauszahlung. Bleibt der Stromverbrauch gleich, müssen die 10 Euro, die zuvor weniger abgebucht wurden, nach einem Jahr in der Schlussrechnung nachgezahlt werden. Der Verbraucher spart also nicht.

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Wer Angebote verschiedener Stromanbieter vergleichen will, sollte immer nach dem Preis pro Kilowattstunde und der monatlichen Grundgebühr fragen. Der Preis des aktuellen Anbieters steht auf der Stromrechnung.

Ein Wechsel lohnt sich vor allem dann, wenn Haushalte in die sogenannte „Grundversorgung“ fallen, also nie aktiv einen Vertrag abgeschlossen haben.

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