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Aufnahme bei Bestattung Sauerbier aus Büren mit Azubi Andreas Werner
Foto: Franz Purucker
Andreas Werner in einem Beratungsgespräch: Bei einer anstehenden Trauerfeier soll ein Sarg für den Verstorbenen ausgewählt werden.
Büren

Bürener wird nach seinem Abi Bestatter – das sind seine Beweggründe

Samstag, 22. August 2020 von Franz Purucker

Die Hände desinfizieren, dem Verstorbenen die Lieblingskleidung anziehen und einige Stunden später die Trauerrede vor den Angehörigen in der Trauerhalle halten: So kann ein Tag von Andreas Werner aus Büren durchaus aussehen.

Der 21-Jährige wurde nun zu Deutschlands bestem Bestatter ausgezeichnet, weil er seine Gesellenprüfung mit dem deutschlandweit besten Ergebnis abgelegt hat.

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Eigentlich wurde dem jungen Mann, der ursprünglich aus Alme stammt, ein Studium ans Herz gelegt. Tests hatten ihm ein Psychologie-Studium empfohlen – ganz falsch lag diese Empfehlung sicher nicht, denn sein heutiger Beruf hat genau damit viel zu tun. Schon mit 15 Jahren kam er als Teenager mit der Branche in Berührung: Sein Onkel arbeitet als Bestatter, eher aus Zufall durfte Werner dort eine Trauerfeier miterleben. Ein Beruf, der ihn faszinierte.

Trauerpsychologie ist wichtiger Teil der Ausbildung

Mit 16 Jahren beginnt er deshalb ein zweiwöchiges Praktikum beim Bestattungshaus Sauerbier in Büren und lernt den Beruf mit all seinen Facetten kennen. „Wichtig ist Einfühlsamkeit und dass man sich in die Angehörigen hineinversetzen kann“, so Werner. Trotzdem enthält der Beruf auch handwerkliche Fähigkeiten, wie die Vorbereitung der Särge und die Dekoration für die Trauerfeiern.

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Der Leichnam wird bekleidet und für die Trauerfeier vorbereitet. Foto: Franz Purucker

Nach dem Abitur am Bürener Mauritius-Gymnasium durchläuft er eine Bestatter-Ausbildung und berührt zum ersten mal einen Verstorbenen. Das Überführen, Waschen, Ankleiden und Einbetten des Toten gehört zu den praktischen Lehrinhalten, die am Ausbildungszentrum in Münnerstadt gefestigt werden. Ausbildungsinhalte sind auch das Ausheben eines Grabes und Trauerpsychologie.

Die Ausbildung schließt Andreas Werner im Sommer dieses Jahres mit der Bestnote ab und wird übernommen.

Heute ist der Bürener zum größten Teil in der Beratung tätig, holt die Angehörigen in ihrer schwierigen Situation ab. Auch tragische Fälle können dabei sein, wie verstorbene Kinder oder tragische Verkehrsunfälle. „Wichtig ist es, in solchen Situationen authentisch zu sein und anstatt einstudierten Standardsätzen lieber die Wahrheit zu sagen – dazu zählt auch, zuzugeben, dass man gerade selbst nicht weiß, was man sagen soll.“
Ein Teil des Jobs findet am Schreibtisch statt: So muss die Überführung des Leichnams vom Krankenhaus zum Krematorium organisiert werden, die Papiere für das Standesamt und die Versicherung zusammengestellt und eben die Trauerfeier organisiert werden.

Ein wichtiger Teil der Ausbildung ist Trauerpsychologie: Hier spricht Andreas Werner mit der Urne daneben bei einer Trauerfeier. Foto: Franz Purucker

Der junge Mann ist froh, bei einem Großen in der Branche lernen und nun arbeiten zu dürfen: „Hier habe ich die Möglichkeit ohne Zeitdruck auf die Hinterbliebenen einzugehen.“
Ein Teil des Berufes gleicht dabei durchaus einem Veranstaltungskaufmann: „Aufgabe des Bestatters ist es, in solchen Situationen eben auch eine Abschiedszeremonie zu gestalten, die so nicht wiederholbar ist und alle mitnimmt.“

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Gerade für Kinder ist eine solche Form der Trauerbewältigung immens wichtig. Wenn beispielsweise die eigene Mutter beerdigt werden muss, kann die Urne gemeinsam mit den Kindern und deren Handabdrücken dekoriert werden oder selbstgemalte Bilder dazugelegt werden, so Werner.
Der nächste Schritt in Andreas Werners Karriere soll die Meisterausbildung und eventuell irgendwann auch ein Studium sein.

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