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Foto: LWL/ M. Kroker
n Zeiten von Corona ist der Abbau einer internationalen Sonderausstellung wie „Leben am Toten Meer“ mit großem, auch diplomatischem Aufwand verbunden.
Umland (Raum Paderborn)

Ausstellungsabbau unter Corona: Museum muss jedes Objekt fotografieren

Sonntag, 29. November 2020 von Heike Tebbe

Ein echter Publikumsrenner war die Sonderausstellung „Leben am Toten Meer“, die in den letzten Monaten im Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn zu sehen war. Jetzt hat Museum – wie alle Museen – wegen der Pandemie geschlossen, und die Ausstellung wurde vorzeitig beendet.

So ein Ausstellungsabbau ist alles anderes als ein Kinderspiel. Normalerweise wären die Leihgeber aus Israel, Großbritannien und vielen weiteren europäischen Ländern persönlich angereist, um die wertvollen und sensiblen Exponate der Sonderausstellung aus Paderborn abzuholen. Doch: Die meisten der etwa 25 Leihgeber haben auf Kuriere vor Ort verzichtet, um das Ansteckungsrisiko möglichst gering zu halten und Quarantänezeiten zu vermeiden. Für das Museum bedeutet das: Digitalisierung.

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„Wir überprüfen die Objekte selbst, fotografieren sie, vergleichen sie mit den Bildern vom Aufbau und schicken ausgefüllte Zustandsberichte an die Museen in ganz Europa,“ so Museumsleiter Dr. Martin Kroker. Die Datenmengen sind so umfangreich, dass es zum Teil Staus im Netz gibt.

Diese Art der Überprüfung setzt natürlich großes Vertrauen in die Fachkompetenzen des LWL-Museums voraus. Nur die Israel Antiquities Authority (IAA) habe als größter Leihgeber der Sonderausstellung eine Kurierin entsendet. Die dortige Chefin für Museen und Leihverkehr höchstpersönlich ist angereist, da sich kein anderer Freiwilliger fand. 

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Die Organisation der Reise war kompliziert, zahlreiche Ausnahmeregelungen mussten bewilligt werden. Das Auswärtige Amt der Bundesregierung, die Botschaft in Tel Aviv, das NRW-Gesundheitsministerium, das Kulturministerium sowie das Paderborner Gesundheitsamt waren involviert und haben geholfen.

Inzwischen ist Orit Shamir mit den Objekten und dem Spediteur zurück nach Frankfurt gereist. Von dort aus geht es per Flieger über Tel Aviv nach Jerusalem. Nach ihrer Reise nach Deutschland muss Kurierin erst einmal in Quarantäne.

Doch allein die mehr als 8.000 Jahre alten Textilien, die zu den Höhepunkten der Ausstellung zählten, würden den Aufwand rechtfertigen, meint Dr. Kroker. Der Museumsleiter: „Es ist immer auch etwas traurig, wenn uns solche Schätze wieder verlassen. Zumal wir die einzigartigen Stücke nicht so lang zeigen konnten wie gedacht.“

Aber der nächste Höhepunkt ist schon in Sicht. 2021 steht das LWL-Museum in der Kaiserpfalz ganz im Zeichen von Karl dem Großen. Im Themenjahr gibt es zahlreiche Aktionen für Familien und Kinder. Besucher können eintauchen in das Alltagsleben der Westfalen im Mittelalter. 

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