arrow_back
Foto: Franz Purucker
Der Bad Wünnenberger Bio-Landwirt Ulrich Klinke mit dem neuen Kompetenzzentrum „Streuobstwiesen Aktiv“ in Bad Wünnenberg im Hintergrund. Foto: Franz Purucker
Thema der Woche

Alte Apfelsorten als unentdeckter Tourismuszweig für die Region?

Sonntag, 30. Mai 2021 von Franz Purucker

Schon mal den Wünnenberger Zuckerapfel, Bürener Zitronenapfel oder Geseker Klosterapfel probiert? Viele klassische Supermarktkunden kennen diese gar nicht, was daran liegt, dass sie im Handel kaum angeboten werden. Dort dominieren sogenannte Clubsorten wie Pink Lady, Diwa, Rubens und Kanzi das Sortiment. Dabei haben die alten Sorten viele Vorteile.

Was Adidas und Nike im Modebereich sind, heißt bei Äpfeln Clubsorte. Im schönen PR-Sprech ausgedrückt: „Wir bieten dem Kunden eine gleichbleibende Qualität“, argumentiert beispielsweise der Marktführer unter den Äpfeln, Pink Lady, auf seiner Internetseite.

Anzeige

Übersetzt heißt dies vor allem eins: Hinter diesen Marken steckt viel Geld für Marketing, was die Landwirte über eine Lizenzgebühr finanzieren, die am Ende auch auf den Preis umgelegt wird.
„Lokale Obstkultur haben wir den Preußen zu verdanken“

Gleiche Qualität heißt dabei vor allem eines: Die Landwirte müssen die Pflanzen beim Pink Lady-Club kaufen und ihre knackige, rote und glänzende Art garantieren. Eigenschaften, die die Landwirte in den Anbaugebieten Spanien, Frankreich und Südamerika durch Pestizide erreichen, von denen Öko-Test gleich drei bei einer Stichprobe in Supermärkten nachweisen konnte.

Anzeige

Die Alternative wächst an den Bäumen der heimischen Streuobstwiesen – die sogenannten alten Sorten. Einige Ketten wie Combi, Edeka und Rewe führen zeitweise einige dieser Äpfel auch im Sortiment. Besonders oft findet man dort den Roten Boskoop.

Ulrich Klinke ist nebentätiger Bio-Landwirt aus Bad Wünnenberg und macht sich dafür stark, die alten Sorten zu erhalten. 1995 begann der gelernte Apotheker mit dem Pflanzen von Streuobstwiesen als Ausgleichsflächen in Bad Wünnenberg anzulegen.

Die alten Sorten haben eine lange Geschichte: „Die Obstkultur Westfalens haben wir den Preußen zu verdanken“, erklärt Klinke: „Aus militärischen und taktischen Gründen wurden spätreife Sorten gepflanzt. Im Sommer war kein Krieg. Die Äpfel mussten sich also gut lagern lassen.“

Auch das viele alte Sorten direkt nach der Ernte nicht ideal schmecken, hatte Vorteile für die Preußen: „Damit wurden diese nicht so schnell geklaut“, erklärt der ehemalige Apotheker weiter.
Viele Jahrzehnte lang war die Landwirtschaft im Bürener Land vom Obstanbau geprägt: Äpfel, Zwetschgen und Walnüsse wurden von hier aus unter anderem ins Rheinland verkauft.

Anzeige

Warum der Apfelanbau für die Landwirtschaft heute keine Rolle mehr spielt und wie die lokale Apfelvielfalt auch dem Tourismus helfen könnte, lesen Sie auf der nächsten Seite.

Nächste Seite
AGB Impressum Datenschutz Kontakt
close
In die Zwischenablage Instagram Whatsapp E-Mail