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Foto: Kreismuseum Wewelsburg
Die brennende Synagoge von Salzkotten in der Reichspogromnacht.
Thema der Woche

Als im NR-Land die Synagogen brannten: So wird jüdischem Leben gedacht

Montag, 15. November 2021 von Franz Purucker

(Fortsetzung von Seite 1)

In den Nachkriegsjahren geriet die Juden zunächst in Vergessenheit, wohl auch weil der Judenhass weiter verbreitet war.

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In den 70er und 80er Jahren begann jedoch die Erinnerungskultur.

Büren

In Büren kaufte die Stadt 1938 die Synagoge und riss das Gebäude ein Jahr später ab. 1988 wurde eine Gedenktafel eingeweiht, die an die Synagoge erinnern soll.

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Vor dem Haus an der Birkenstraße in dem sich bis 1939 das Kolonialwarengeschäft der Familie Rosenthal befand, erinnern nun sechs Stolpersteine an die jüdischen Bewohner. Die Nachkommen Alberto und seine Mutter Maria Rosenthal freuen sich über das Engagement. Foto: Büttner

Auch der jüdische Friedhof an der Siddinghauser Straße wurde 1938 von der Stadt übernommen und zunächst für den Bau von Behelfsheimen genutzt, für die die Grabsteine als Unterbau dienten.
Ende der 60er Jahre wurden die Baracken entfernt und der Friedhof wiederhergestellt und 1987 unter Denkmalschutz gestellt. Heute sind dort noch 72 Grabanlagen mit mehr als 60 Grabsteinen vorhanden.

Seit 2017 erinnert eine Infotafel des Heimatvereins an das jüdische Leben in Büren. Außerdem erinnert die „Aronstein-Gasse“ zwischen Volksbank und katholischer Kirchengemeinde heute an die gleichnamige jüdische Kaufmannsfamilie, die dort früher ein Kaufhaus besaß.

Die Bürener Bevölkerung stand dem Antisemitismus anfangs reserviert gegenüber, was sich auch an schlechten Wahlergebnissen der NSDAP in Büren zeigte, die von den 1.300 Stimmberechtigten 1933 nur 335 Stimmen erhielten. Selbst 1935 lag der Viehhandel in Büren noch fast weitgehend in jüdischer Hand.
Auch im Ortsteil Weine, wo nun ein Stolperstein für die Familie Rosenthal verlegt wurde, gab es lange Zeit Wiederstand. Die jüdische Familie wurde von den Bewohnern mit Lebensmittel versorgt und selbst zur Reichspogromnacht gelang es, die Schläger zu verjagen.

Geseke

Auch in Geseke ging das Synagogengrundstück 1938 an die Kommune über. Während des zweiten Weltkrieges wurden darin Gefangene untergebracht und 1950 erfolgte der Abriss. Ein Gedenkstein am Alten Steinweg erinnert bis heute an das ehemalige Gotteshaus.

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Der Jüdische Friedhof von Geseke. Foto: Reinhard Hauke (CC BY-SA 3.0)

Der jüdische Friedhof von Geseke befindet sich an der Ehringhauser Straße und war bis 1941 belegt. Erhalten sind 111 Grabsteine, darunter einige ohne Namen.

Die Aufarbeitung geht in Geseke nur mühsam voran. Mehrere Anträge auf die Verlegung von Stolpersteinen wurden zunächst vertagt oder in Arbeitsgruppen verschoben. Zuletzt entschied sich der Kulturausschuss jedoch dafür, Stolpersteine verlegen zu lassen. Wann es soweit ist, bleibt aber unklar.

Salzkotten

Die Erinnerungskultur an jüdisches Leben ist in Salzkotten am weitesten vorangeschritten. Schon 1988 bildete sich ein Arbeitskreis „Juden in Salzkotten“ aus dem 1991 der Verein „Judentum in Salzkotten“ hervorging, der in den Folgejahren viel Arbeit und Zeit zur Aufarbeitung jüdischer Schicksale aufnahm.
1986 entstand in der Vielser Straße ein Gedenk- und Mahnmal. Der Isaak-Auerbach-Platz in der Nähe des Denkmals erinnert an den gleichnamigen letzten Vorsteher der jüdischen Gemeinde, der 1942 ins KZ Theresienstadt deportiert wurde und im gleichen Jahr verstarb.

Der größere jüdische Friedhof von Salzkotten im Jahr 2015. Foto: Ath

Der jüdische Friedhof in der Schützenstraße wurde 1985 unter Denkmalschutz gestellt und ist mit 2.300 Quadratmetern der größte im NR-Land, obwohl dieser heute nur 60 Prozent seiner ursprünglichen Fläche umfasst.
Schon 2009 wurden in Salzkotten von Künstler Gunter Demnig die ersten Stolpersteine verlegt. Inzwischen sind 31 davon an zehn Standorten im Stadtgebiet zu finden.

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Eine weitere jüdische Gemeinde gab es im Ortsteil Niederntudorf, wo sich bis 1907 auch eine Synagoge befand, die durch Brandstiftung zerstört wurde. Ab 1930 gab es dort keine Juden mehr. Der bis heute existierende jüdische Friedhof umfasst sieben Grabsteine und befindet sich in der Straße „Zum Wasserberg“. Die Anlage wurde 1976 geschändet. Dabei wurden zwei Inschriftentafeln zerstört.

Bad Wünnenberg

In Bad Wünnenberg erinnert seit 2006 ein Gedenkstein an die ehemaligen jüdischen Bewohner Haarens. Auf dem Gedenkstein sind die Namen der 28 ermordeten Personen aufgeführt. Auch der jüdische Friedhof in Haaren existiert noch und befindet sich direkt gegenüber dem katholischen Friedhof an der Via Regia und besteht aus 25 Grabsteinen.

Der jüdische Friedhof im Bad Wünnenberger Ortsteil Haaren. Foto: Ath

Auch in der Kernstadt von Bad Wünnenberg gab es zeitweise eine jüdische Gemeinde, in der Mitglieder aus Bleiwäsche, Fürstenberg und Leiberg gemeinsam ihrem Glauben nachgingen. Der dadurch entstandene jüdische Friedhof am Hoppenberg in der Oberstadt wurde zur NS-Zeit verwüstet, aber 1949 von der Gemeinde Wünnenberg erworben und 1987 unter Denkmalschutz gestellt.

Heute umfasst die knapp 1.500 Quadratmeter große Anlage noch immer 20 Grabsteine.
Stolpersteine sollen in Bad Wünnenberg im Bereich der Paderborner Straße 17 und 19 gebaut werden, wobei es aktuell an freien Kapazitäten des Künstlers Günter Demnig scheitert.

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