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Foto: Kreismuseum Wewelsburg
Die brennende Synagoge von Salzkotten in der Reichspogromnacht.
Thema der Woche

Als im NR-Land die Synagogen brannten: So wird jüdischem Leben gedacht

Montag, 15. November 2021 von Franz Purucker

Es war ein einschneidender Tag der deutschen Geschichte: Die Reichspogromnacht in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938. Bundesweit brennen Synagogen, jüdische Geschäfte werden geplündert und in den Jahren danach das Leben jüdischer Familien ausgelöscht. Wie verlief die Pogromnacht im NR-Land und was ist vom jüdischen Leben in der Region geblieben? Die NR ging auf Spurensuche in Büren, Bad Wünnenberg, Geseke und Salzkotten.

Synagogen gab es in allen vier Städten des NR-Landes. In der Bürener Synagoge in der Detmarstraße, die zeitweise auch eine Schule beherbergte, wohnte zum Zeitpunkt der antisemitischen Übergriffe eine Familie. Bereits in der Nacht zuvor wurden die Scheiben eingeworfen, am nächsten Tag die Haushaltsgeräte und Einrichtung auf die Straße geworfen wurden.

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Am Nachmittag kletterten Männer auf das Dach der Synagoge und warfen Kuppel und Türmchen hinunter. In der Nacht zum 11. November ging das Gebäude letztlich in Flammen auf. Elf Familien wohnten noch in der Stadt, davon vier in Weiberg und zwei in Brenken. Auch sie wurden am 10. November verhaftet und ins Konzentrationslager nach Buchenwald verschleppt.

In Salzkotten brannte die Synagoge bereits in der Nacht vom 9. zum 10. November – also der zur heute als Reichspogromnacht bezeichneten Zeit. Drei jüdische Geschäfte und sechs jüdische Haushalte werden verwüstet und geplündert. Die Gestapo verhaftete 17 Jüdischen Bürger und brachte sie in ein Verlies der Wewelsburg. Nach einer Nacht voller Angst, Schrecken und Demütigung wurden sie am nächsten Morgen über Bielefeld ins KZ Buchenwald bei Weimar deportiert.

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In Geseke wurden die jüdischen Bewohner in der Nacht aus dem Schlaf gerissen und gezwungen, auf die Straße zu kommen. Die Synagoge am Alten Steinweg wurde geschändet und die Thorarollen zerrissen, jedoch nicht in Brand gesteckt. Zwei jüdische Bürger kamen in Schutzhaft, was ironischerweise in einem Pressebericht mit deren Schutz begründet wird. Die Intention dahinter könnte auch sein, dass die NSDAP-geführte Regierung davon ablenken wollte, dass sie selbst dazu anstiftete, jüdische Gotteshäuser in Brand zu stecken. Später wurden die verbliebenen Geseker Juden ins Konzentrationslager deportiert.

Die Bad Wünnenberger Synagoge befand sich im Ortsteil Haaren. Es handelte sich um einen Gebetsraum im Obergeschoss des Hauses eines Haarener Juden. Die Gemeinde umfasste weniger als 50 Mitglieder. Vor der Pogromnacht waren bereits zahlreiche Juden geflüchtet, da schon 1933 begonnen worden war, zum Boykott von deren Geschäften aufzurufen und immer wieder Wohnungen und Scheiben von Geschäften zu Bruch gingen.

Schild: „Juden sind hier unerwünscht“

1937 standen an den Ortseingängen Schilder mit der Aufschrift „Juden sind hier unerwünscht“.
In der Pogromnacht wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zertrümmert und aus dem ersten Stock durch das Fenster auf die Straße geworfen. In dem Gebäude wohnte der Jude Otto Emmerich. In einem Bericht des Bürgermeisters von 1938 heißt es: „Gegen die Verhaftung und den Abtransport der Juden hat sie (Anm. d. Red.: gemeint ist die Bevölkerung) nichts einzuwenden. Dies wird von verschiedenen Kreisen begrüßt.“ Lediglich an den Zerstörungen habe die Bevölkerung Anstoß genommen.

Wie gedenken die Städte bis heute den Gräueltaten von damals, was wurde aus den Synagogen und welche jüdischen Einrichtungen sind trotz Naziherrschaft erhalten geblieben? Diese Fragen beantworten wir auf der nächsten Seite.

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