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Dieses Foto ging damals durch die Presse: Verwaltungschef Rolfé Wessmann (l.) und Chefarzt Ingo Klemens verabschieden die letzte Patientin Theresia Ebbers aus dem Krankenhaus.
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Als das Bürener Krankenhaus schloss: Eine ehemalige Mitarbeiterin schaut zehn Jahre zurück

Sonntag, 11. Oktober 2020 von NR Redaktion

Es war das Ende einer kraftvollen und anstrengenden Zeit: Am 14. Oktober 2010 – also vor genau zehn Jahren – verlässt die letzte Patientin das Bürener Krankenhaus. Das Ende des 152 Jahre alten St. Nikolaus Hospital in Büren.

Helga Hoffmann aus Büren hat 28 Jahre davon als Mitarbeiterin miterlebt, war 1983 zunächst als Aushilfskraft eingestellt und hatte sich bis zur Personalleiterin hochgearbeitet. Sie mag ihren Job und das Haus.

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Als das Krankenhaus 2000 zum ersten Mal auf einer Streichliste des Landes auftaucht, wird es für die Mitarbeiter eine Achterbahnfahrt der Gefühle, erinnert sie sich zurück. Immer wieder neue Verwaltungschefs, die nach ein oder zwei Jahren gehen, versuchen das Haus auf Kurs zu bringen.
2005 muss sie auf einmal zahlreiche Kündigungen schreiben, die erst kurz vor dem Versand vernichtet wurden.

Dieses Foto ging damals durch die Presse: Verwaltungschef Rolfé Wessmann (l.) und Chefarzt Ingo Klemens verabschieden die letzte Patientin Theresia Ebbers aus dem Krankenhaus.

Zur 150-Jahrfeier am 14. Juni 2008 wird mit den damals 65 Vollzeitkräften noch gefeiert – doch die Zukunft ist alles andere als rosig. Nach der Geburtsstation schließt letztlich auch die Chirurgie und 2010 das ganze Krankenhaus.

Von der Insolvenz des Hauses, das zu diesem Zeitpunkt der Marseille-Kliniken AG gehört, erfahren die Mitarbeiter und selbst die Personalchefin erst aus den Medien. „Damals sind viele Tränen geflossen – auch bei mir“, sagt die heute 66-Jährige zurückblickend. Ihre Aufgabe war es, den Blumenstrauß für die letzte Patientin des Hauses zu besorgen – zu sehen auf dem Entlassungsbild, das durch die Medien ging.

Sie ist noch einige Monate an der Abwicklung beteiligt, insbesondere an der Sicherung der Akten, die ordnungsgemäß verwahrt wurden. Die Krankenakten fielen in ihre Verantwortung.

Vor zehn Jahren war Helge Hoffmann (links) Personalleiterin des Krankenhauses.
Nach der Insolvenz des Bürener Hospitals fand sie eine Anstellung bei der Caritas. Heute (rechts) ist sie Seniorin.  

Viele ehemalige Krankenhausmitarbeiter finden nicht zurück in den Job. Helga Hoffmann ist noch bis Februar 2011 angestellt, hat aber wegen Urlaub und Freistellung im Dezember ihren letzten Arbeitstag. Die damals 57-Jährige schreibt viele Bewerbungen und war ab September 2011 bei den Caritas Wohn- und Werkstätten in der Verwaltung tätig.

Immer zum Jahrestag trifft sie sich mit zehn ehemaligen Arbeitskollegen des Bürener Krankenhauses – zwei von denen haben nach der Schließung und Entlassung aus dem Bürener Krankenhaus keine Anstellung wieder gefunden.

Geschichte des Hauses im Rückblick

26.Juli 1908: Grundsteinlegung mit zunächst 50 Betten wird. Träger ist die Bürener Kirchengemeinde St. Nikolaus.

2000: Das Krankenhaus wird erweitert und die gynäkologische Abteilung mit Kreißsaal modernisiert.

2001: Ein Gutachten der Krankenkassen sieht das Haus mit 167 Planbetten und 230 Mitarbeitern vor dem Aus.

31.Dezember 2002: Die Gynäkologie wird geschlossen. Das St. Johannisstift Paderborn und das Ev. Krankenhaus Lippstadt übernehmen das Haus.

2003: Bewegungsbad und HNO-Abteilung werden geschlossen, ein Jahr später auch die Urologische und chirurgische Abteilung, Anästhesie und Physiotherapie.

2006: Die Marseille-Klinken AG übernimmt das Haus und öffnen das Bewegungsbad wieder. Die ambitionierten Investitonspläne werden nie umgesetzt.

21.April 2010: Die Klinik stellt Insolvenzantrag. Der Stadtrat stellt bis Ende September 300.000 Euro aus dem Stadt-Haushalt zur Verfügung. Der Bürgermeister kämpft für das Hospital und sucht ein neues Konzept, aber ohne Erfolg.

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