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Aufzieher einer Spritze zur Impfung
Foto: Franz Purucker
Praxismanagerin Susanne Bandorski zieht eine Spritze mit dem Impfstoff von AstraZeneca auf. Die MFA Verena Seidensticker und die Ärztin Brigitte Schäfer kümmern sich dann später um die Impfung selbst und die entsprechende Dokumentation im Impfausweis.
Thema der Woche

Ärzte im Ausnahmezustand: Hunderte wollen einen Impftermin

Dienstag, 18. Mai 2021 von Franz Purucker

Nur drei Minuten, nachdem Gesundheitsminister Jens Spahn den Impfstoff von AstraZeneca für alle freigegeben hat, ging die erste Mail in der Praxis von Dr. Thomas  Bandorski in Bad Wünnenberg-Haaren ein mit der Bitte, einen Termin fürs Impfen zu bekommen. 

Der Allgemeinmediziner betreibt eine von mehr als 80 Praxen im Kreis, wo gegen das Corona-Virus geimpft wird. Laut Kassenärztlicher Vereinigung nehmen 95 Prozent aller Praxen an der Impfkampagne teil.

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Eigentlich war der Impfstoff von AstraZeneca nach öffentlichen Diskussionen um Hirnvenenthrombosen als mögliche Nebenwirkung zum Ladenhüter geworden. Die ständige Impfkommission empfahl, diesen nur noch Über-60-Jährigen zu verabreichen. 

Doch auch die wollten den Impfstoff nicht haben und holten sich lieber einen Termin im Impfzentrum, wo auch das deutlich beliebtere Produkt von Biontech-Pfizer geimpft wird – auch an Über-60-Jährige, die eigentlich AstraZeneca bekommen sollen. Dr. Bandorski und viele seiner Kollegen macht das sauer. Auch in seiner Praxis wurde Impftermine deshalb abgesagt.

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Der Hausarzt bestellte trotzdem weiterhin die Höchstmenge bei der Apotheke, was sich nun auszahlt: Seit der Aufhebung der Priorisierung gehen bei ihm 200 bis 300 Mails pro Tag mit Impfanfragen ein. Menschen aus Frankfurt, Köln und Hannover wollen den Weg nach Wünnenberg-Haaren auf sich nehmen, um endlich geimpft zu werden. 

„Wir impfen nur an Patienten aus der Region“, stellt der Mediziner klar: Um dies sicherzustellen, hat er sich gegen eine Terminvergabe über das Internet entschieden. Stattdessen werden die Termine jeden Montag telefonisch über eine spezielle Handynummer vergeben. Jeweils Sonntagabend weiß Bandorski, wie viel Impfstoff er in der kommenden Woche verimpfen kann und informiert über Termine im Internet.

Montag ab 8 Uhr ist eine spezielle Handynummer dann freigeschaltet, um die Impftermine zu vergeben. Spätestens 13 Uhr sind in der Regel alle Termine weg.

Viele Impfwillige versuchen es auch über die normale Praxis-Nummer und blockieren damit die Telefonate für reguläre Patienten, die es damit immer schwerer haben, durchzukommen. Der Planungsaufwand für die Hausärzte ist immens.

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Den hohen Bedarf kann Dr. Bandorski verstehen: „Der Pieks ist der halbe Weg in die Freiheit“, so der 57-Jährige. Verimpft wird außerhalb der Priorisierung ausschließlich das Vakzin des britischen-schwedischen Herstellers AstraZeneca, den der Arzt auf eigenen Wunsch ebenfalls gespritzt bekam. (puru)

Warum Dr. Thomas Bandorski in seiner Bad Wünnenberger Praxis trotz Krtitik in den Medien das Vakzin empfiehlt, wo die Unterschiede zwischen den vier aktuell verfügbaren Impfstoffen liegen und  wie Impfwillige an einen Termin bei einem Arzt kommen lesen auf der nächsten Seite.

Dort erfahren Sie auch, warum das hohe Tempo bei den Erstimpfungen in den nächsten Wochen erstmal wieder etwas abnehmen wird.

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