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Foto: Christoph Scholz / Flickr (CC BY-SA 2.0)
Ein Mobilfunkstandort, der bereits um 5G erweitert wurde, mit einer kunstvoll einretuschierten 5G-Wolke. In Wahrheit werden nur die wenigsten Handynutzer aktuell überhaupt über das neue Netz surfen können.
NR-Land

5G-Netz startet in zwei Städten der Region

Samstag, 25. Juli 2020 von Franz Purucker

„Ab in die Zukunft“ und „voller Power surfen“: Die Werbung der Mobilfunkanbieter überschlägt sich regelrecht mit Überbietungen, wenn es um Angebote für das neue 5G-Netz geht.

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Die Deutsche Telekom und Vodafone haben nun ihre 5G-Netze gestartet und dabei auch in zwei Städten des NR-Landes die Funkmasten für das neue Netz freigeschaltet.

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Nutzen kann das neue Netz aber bislang kaum jemand. Der Grund: Um im 5G-Netz surfen zu können, sind ein 5G-fähiges Mobiltelefon und ein entsprechender Tarif notwendig.

Die Auswahl an solchen Mobiltelefonen ist überschaubar: Lediglich das Samsung Galaxy S10 5G und S20 5G, das One Plus 7 5G und 8 sowie das Huawei P40 können im 5G-Netz funken. Apple  hat im Laufe des Jahres ein 5G-fähiges iPhone angekündigt. Alle diese Geräte zählen zu den High-End-Smartphones und kosten zwischen 800 und 1.300 Euro.

5G-Tarife sind nicht bei Discountern erhältlich

Außerdem ist ein 5G-Tarif nötig, den es bei Discounter-Angeboten nicht gibt. Die Telekom und Vodafone machen einen Vertrag der neuesten Tarif-Generation zur Voraussetzung für 5G. Wer von seinem Mobilfunkanbieter angesprochen wird, in einen neuen 5G-Tarif zu wechseln, sollte genau vergleichen: Gerade wer in einem älteren Tarif ist, zahlt oft weniger. Bei der Telekom beispielsweise kann ein Umstieg bis zu 240 Euro pro Jahr ausmachen. 

Jeder sollte sich die Frage stellen, ob sich diese Mehrkosten rechnen: Als erstes ist ein Blick auf die Netzabdeckungskarten der Netzbetreiber nötig – also ob vor der eigenen Haustür überhaupt 5G angeboten wird (siehe auch Seite 2). Der Netzausbau hat erst begonnen und wird noch einige Zeit dauern.

Zum Nutzen: 5G verspricht vor allem Geschwindigkeit. Bis zu 1.000 Mbit pro Sekunde sind bei kleinen Sendern möglich. Diese werden aber vorrangig an Orten mit vielen Menschen, beispielsweise in Fußballstadien und Bahnhöfen, sowie für die Industrie zum Einsatz kommen. 

Die Sender mit größerer Reichweite – solche sind nun auch im NR-Land aufgestellt worden – versprechen bis zu 200 Mbit pro Sekunde. Für den Privatkunden macht sich dies etwa beim Download großer Dateien, wie etwa Filme, bemerkbar. Computerspiele in Echtzeit laufen flüssiger und Webseiten lassen sich schneller und flüssiger öffnen. Für den Normalnutzer ist der Unterschied zum aktuellen Netz kaum bemerkbar. 

Wo noch kein 5G-Netz ausgebaut wird, können Kunden, egal ob mit oder ohne 5G-Tarif, weiter das an sich schon sehr schnelle  4G-Netz nutzen.

Nur Nutzer ganz alter Handys, die nur 3G, aber kein 4G (LTE) unterstützen, sollten über ein neues Gerät nachdenken. Das 3G-Netz wird zugunsten von 5G nach und nach abgeschaltet.

Bislang haben lediglich die Deutsche Telekom und Vodafone mit dem Ausbau des 5G-Netzes begonnen. Der nach Kunden größte Mobilfunkanbieter Telefonica mit seiner Marke O2 will bis Ende des Jahres erste Masten aufstellen, bietet aber bislang noch kein 5G an.

Überraschend ist die Ausbaustrategie der Anbieter: So wird die IT-Hochburg Paderborn aktuell von keinem Anbieter mit 5G versorgt, wobei es dafür durchaus Bedarf gibt.

Anfang des Jahres hatte Martin Goetze­ler, Geschäftsführer der Paderborner Firma Dspace, beim FDP-Unternehmerfrühstück einen raschen 5G-Ausbau angemahnt. Das Unternehmen entwickelt Software und Hardware für den Einsatz von Steuerungselementen in Autos. Zukunftsprojekt für Dspace sind selbst fahrende Autos, für die wiederum das quasi in Echtzeit agierende 5G-Netz zwingend notwendig ist. Das Unternehmen habe dadurch entscheidende Standortnachteile im Vergleich zu Mitbewerbern, so der Unternehmer.

Die Deutsche Telekom startete im September des vergangenen Jahres mit großem Werbegetrommel ihr 5G-Netz in Berlin, Leipzig, Hamburg, Köln, München, Bonn und Darmstadt.

Erst vor einigen Tagen begann die Telekom mit der Freischaltung in großen Teilen Deutschlands – darunter im Kreis Soest, wo 75 Mobilfunk-Standorte mit 5G erweitert wurden und somit Geseke sowie zahlreiche Ortsteile davon profitieren (siehe Karte links). Bis zum Jahres­ende will der Bonner Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leister mehr als 50 Prozent der deut­schen Bevöl­ke­rung mit dem neuen Netz­stan­dard versorgen.

Auch in Salzkotten hat die Telekom im Juni des vergangenen Jahres einen neuen Mobilfunkstandort an der dortigen Bahnstrecke aufgebaut. In der Pressemitteilung von damals heißt es lediglich „dieser Ausbau ist ein wichtiger Baustein für das künftige 5G-Netz.“ Gut möglich, dass Salzkotten also auch bald in den Genuss des neuen Netzes kommt.

Der nach Kundenzahlen kleinste deutsche Mobilfunkanbieter Vodafone schaltete bereits im Juli des vergangenen Jahres kleinere Funkzellen frei, die teilweise nur einzelne Gebäude versorgten, dabei auffällig oft im ländlichen Raum stehen.

Fast zeitgleich mit der Telekom sind nun auch bei Vodafone mehr Standorte dazugekommen – darunter in der kleinsten Stadt im NR-Land – in Bad Wünnenberg.

Dabei profitieren vor allem Nutzer im Umland des Kurortes von der Versorgung. Vermutlich nutzt Vodafone seine Frequenzen dort, um Lücken im bestehenden 4G-Netz zu schließen, da die Region unter allen Mobilfunkanbietern bislang schlecht versorgt wird, was an der Topografie liegt. Vodafone bietet als einziger Netzbetreiber heute bereits ein auf 5G-basierten Festnetz-Ersatz an. Dies ist besonders für Nutzer interessant, die einen sehr langsamen DSL-Anschluss haben. 

Unter dem Name „Giga Cube“ kommt sehr schnelles Internet – die Geschwindigkeit ist durchaus vergleichbar mit den Glasfaseranschlüssen von Deutsche Glasfaser und Innogy –  selbst in die entlegenste Regionen, wo eben kein Glasfaserkabel liegt. Der Preis variiert zwischen vergleichsweise teuren 45 und 85 Euro pro Monat.

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